Das Todesrätsel Als Lebensrätsel
Dasjenige, was der Tod zunächst für den sinnlichen Anblick darbietet, sieht ja der Mensch schon von dieser Seite aus: den Verfall des physischen Leibes. Aber wenn der Tod überhaupt etwas Schreckliches, etwas Grauenhaftes haben sollte, so könnte es nur für diesen Anblick hier von der physischen Welt aus sein; denn da stellt er sich dar wie ein Ende desjenigen, was wir immer am Menschen sehen, solange er zwischen Geburt und Tod in der physischen Welt weilt. Wir haben aber dann den Anblick des Todes, wenn wir selber durch die Todespforte geschritten sind, von der anderen Seite her. Während wir hier im physischen Leben den physischen Leib zerfallen sehen, haben wir, indem wir den Tod von der Seite aus betrachten, die wir durchleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, von jener Seite her den Anblick, wie heraus sich entwickelt der ewige Wesenskern des Menschen aus der physischen Hülle. Wir haben da den Tod nicht als einen Niedergang, wir haben ihn als einen Aufgang.
Cite:
GA 246/1916-03-03/p012 · edition original