Das Todesrätsel Als Lebensrätsel
Aber nun lebt der Mensch so im Ätherleibe und denkt und sagt: Nun ja, ich denke, und meine Gedanken trage ich in mir, und manchmal erinnere ich mich an meine Gedanken. Und er glaubt, dass dieses Gedankengewebe eben nur in ihm ist. So ist es aber nicht; so ist es ganz und gar nicht. Der Mensch kennt sich eben in Wirklichkeit durchaus nicht! Dass wir da durch die Welt gehen, Gedanken haben, dass diese Gedanken von uns verwoben werden, das ist noch das Allergeringste an diesem Vorgange. Fassen wir die Sache einmal ganz konkret: Sie sitzen jetzt hier und hören mir zu. Da gehen fortwährend Gedanken durch Ihre Seele durch, die Sie dann auch behalten können ... gewiss, das ist die eine Seite der Sache. Aber das ist nur die geringere Seite der Sache. Während Sie hier alle denken, huschen oder wellen durch den Raum Wesenheiten der höheren Hierarchie, von den Angeloi durch die Archangeloi bis zu den Archai hinauf, und diese haben ihre Arbeit mitzuleisten an den Gedanken. Das alles nehmen Sie mit normalem Bewusstsein nicht wahr. Aber glauben Sie nicht, dass der Mensch bloß in die Welt hier hereingestellt ist, damit er zu seinem Vergnügen zwischen Geburt und Tod sich hier seine Gedanken bildet; sondern während wir uns unsere Gedanken bilden, arbeitet eine Fülle von geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien an diesen Gedanken hier. In unserer Seele ist nur der Schauplatz, da treten die Gedanken auf. Aus diesen Gedanken wird noch etwas ganz anderes gemacht, als was bloß in unseren Erinnerungen weiterlebt. Diese Gedanken werden miteinander verwoben, diese Gedanken werden ineinander gebildet und bedeuten noch etwas ganz anderes als dasjenige, was wir daraus machen. Wir leben nicht nur für uns, wir leben auch zwischen Geburt und Tod - wenn wir so sagen dürfen - für die Götter. Und während wir denken, arbeiten die Götter an ihrer Welt. Wir, wir fügen uns unsere Gedanken so zusammen, einen an den anderen, dass sie uns dienen bis zu unserem Tode. Die Götter ordnen sie anders, die Gedanken. Sie ordnen sie in uns so zusammen, dass sie ihnen dienen bei der Gestaltung, bei der fortlaufenden Gestaltung der Welt. Während wir nach unseren logischen Menschenregeln unsere Gedanken ordnen, ordnen zugleich die Götter so die Gedanken, dass - wenn ein Mensch durch die Pforte des Todes geht - sie ein neues Stück Welt in diesen Gedanken geschaffen haben. Sie ziehen sie dann heraus aus dem Ätherleib ... und da haben sie ein neues Stück Welt. Es ist nicht unnötig, dass ein Mensch die Welt betrachtet. Sondern, indem er denkt, wird aus seinen Gedanken ein neues Stück Welt gewoben, richtig ein neues Stück Welt gewoben. Werden wir uns dessen nur bewusst, dass hinter der Außenseite unseres Denkens, die wir innerlich wahrnehmen, weltenwirkende göttliche Geister sind der verschiedenen Hierarchien, die während sie uns zwischen Geburt und Tod unsere Gedanken weben lassen, damit wir unsere Freiheit genießen können - ihre Arbeit mit unseren Gedanken für die Welt leisten!
Cite:
GA 246/1916-03-03/p021 · edition original