Das Todesrätsel Als Lebensrätsel
Sein physischer Leib hat es bis zu dem Tode in ihm zusammengehalten. Jetzt, wo sein physischer Leib abgefallen ist, wird es auseinandergezogen und einverwoben dem ganzen Weltenäther - bei dem einen in größerer, bei dem anderen in geringerer Ausbreitung; aber cs wird einverwoben dem ganzen Weltenäther. So ist es außer uns, was wir immer in uns getragen haben in unseren Gedanken; denn nur die Gedanken, mit denen wir dasjenige, was wir erlebt haben, begleitet haben, werden in dieser Weise von den Göttern dem Weltenäther einverwoben. So ist das, was wir immer in uns getragen haben, was der physische Leib zusammengehalten hat, außer uns ... Nicht wahr, bis zum Tode können wir das, was unser Gedankengewebe ist, als unser Eigentum betrachten, als inneres. Kein Mensch wird, wenn er sich erinnert, sagen: Der Gedanke, der hätte woanders gesessen als in seiner Seele; aus der hat er ihn heraufgeholt. - Jetzt ist er außer uns, gehört zur Außenwelt. Das ist wiederum ein bedeutsames Erlebnis nach dem Tode, dass wir, nachdem wir die Tage nach dem Lebenstableau durchgemacht haben, gewissermaßen das Innere zum Außen machen. Was unser Gedankenverlauf war, wird nun äußerer Verlauf, lebt in der Außenwelt drinnen. Und so wahr, wie wir hier auf Sterne und Mond, wie wir hier auf Berge und Flüsse sehen, so sehen wir nach dem Tode auf dasjenige, was die Götter aus unseren Gedanken gewoben haben während unseres Lebens, und was jetzt einverwoben ist dem Weltenäther. Dahin blicken wir zurück. Man kann ganz richtig sprechen, wenn man sagt: Mit diesem Ereignis ist beim Menschen das Innere ein Äußeres geworden. Das Innere seiner Gedankenwelt ist ein Äußeres geworden.
Cite:
GA 246/1916-03-03/p024 · edition original