Das Todesrätsel Als Lebensrätsel
Also nehmen wir den konkreten Fall «Goethe». Nicht wahr, vorher war er zu irgendeinem Zeitpunkte inkarniert. Da ist er nun hineingegangen in die geistige Welt, dann kommt die Zeit in der Mitte zwischen Tod und neuer Geburt: Da wirkt er bereits wieder hinunter - und da geschieht etwas, was gewisse Menschen, dic hier leben, in Beziehungen bringt. Beziehungen zwischen Menschen sind gewiss auf der einen Seite Zusammenhänge mit den karmischen Beziehungen der Menschen, aber sie sind noch von vielen anderen Verhältnissen abhängig. Also es geschehen Verbindungen zwischen vielen Menschen dadurch, dass ein Mensch wieder beginnt auf die Erde zu wirken lange Zeit schon, bevor er wieder kommt, also mitten drinnen in dem Zeitpunkt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Und diese Beziehungen setzen sich dann fort, immer weiter fort unter dem Einfluss der geistigen Welt, bis sich zuletzt aus diesen Beziehungen dasjenige ergibt, was als Verhältnis auftritt zwischen Vater und Mutter, durch die dann die betreffende Inkarnation der Seele geschieht. Also Goethe hat mitgewirkt in allen den Beziehungen, die sich in der Welt gebildet haben, sodass zuletzt Caspar Goethe und die Frau Rat Goethe zusammenkommen konnten, dass deren Eltern, deren Großeltern zusammenkommen konnten. Und da können wir Jahrhunderte zurückgehen in der Art und Weise, wie die Menschen zusammengeführt werden, bis zuletzt das sich ergibt, was den alten Caspar Goethe zu der Frau, die man die «Frau Aja» nennt, hinführt; dass sie zusammenkommen, darinnen wirkt schon mit die Individualität des Menschen Goethe. Der Mensch ist es selber, der durch die Generationen, die seinem Elternpaar vorangegangen sind, mitwirkt. Nicht die Vererbungsverhältnisse sind es, die den Menschen ähnlich machen seinen Vorfahren, sondern er ist es [selbst], der durch lange Zeiträume hindurch die Vererbung schon organisiert. Wenn Sie zum Beispiel von unserer jetzigen Zeit bis hinauf zu Karl dem Großen denken, so sind das ungefähr dreißig Generationen. Mehr brauchen Sie gar nicht sich zu denken: Bis zu Karl dem Großen sind nur dreißig Generationen. Wenn Sie sich dreißig Menschen hintereinander stehend vorstellen, gegenseitig nach rückwärts hin die Hände ergreifend, so könnten Sie sich denken, dass diese seit Karl dem Großen gelebt haben. Durch einen solchen Zeitraum wirkt schon hinunter auf die physische Erde dasjenige, was da oben im Geistigen ausgearbeitet wird.
Cite:
GA 246/1916-03-03/p048 · edition original