Das Todesrätsel als Lebensrätsel

GA 246/1916-03-03/p053 ·1916-03-03 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Nach zum Teil bruchstückhaften Mitschriften» (From transcripts that are in part fragmentary). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 246), which also speaks of "fragmentarischen Hörernotizen und Vortragszusammenfassungen". The translation is the maintainer's, not a published one.

Es ist das Wahrnehmen derjenigen Seelen, die vor uns durch des Todes Pforte in die geistige Welt hinaufgegangen sind, die wir dort antreffen, viel innerlicher, sagen wir, als wie wenn wir diese Seelen hier wahrnehmen, wo sie durch den Körper von uns getrennt sind. Trotzdem es viel innerlicher ist - aber eben weil es viel innerlicher ist — müssen die Vorstellungen, die wir uns von den Toten verschaffen, von denen also, die wir dort schon als Tote, die vor uns gestorben sind, antreffen - es müssen die Vorstellungen im Grunde genommen erst durch uns selber geschaffen werden. Also denken Sie: Jemand geht durch die Pforte des Todes, und jemand ist dort, den er hier im Leben gekannt hat: Er kommt in dessen Region. (Er kommt immer in dessen Region.) Er spürt: Da ist jemand. Er weiß auch aus einem unmittelbaren Gefühl heraus, wer das ist; aber er kann sich ihn nicht vorstellen, wenn er nicht gewissermaßen geistig abtastet dasjenige, wovon er nur weiß, dass es da ist. Sie können sich annähernd eine Vorstellung bilden von der Art und Weise, wie man selber arbeiten muss an der Vorstellung der Seelen, die man nach dem Tode also kennenlernt, wenn Sie sich denken: Wir würden hier im Finstern sein, und einer würde den anderen mit physischen Augen nicht sehen, sondern nur durch Tasten erkennen, da müssen wir uns die Vorstellung tätig selber schaffen. So müssen alle Vorstellungen von Seelen, die vor uns durch die Pforte des Todes gegangen sind, durch geistiges Abtasten erst gebildet werden. Also tätig sein — das stellt man sich in der Regel gar nicht richtig vor -, nicht so passiv dürfen wir uns hingeben den Eindrücken der geistigen Welt, wie wir uns den Eindrücken der physisch-sinnlichen Welt hingeben. Damit ich einen von Ihnen physisch-sinnlich sehe, braucht er nur zur Türe hereinzugehen: Da erscheint er meinem Auge - ich brauche nichts dazu zu tun. So ist es nach dem Tode nicht. Da weiß man darum, aber die Vorstellung muss man sich erst bilden. Dadurch bin ich tätig, dass ich aus meinem eigenen Bilden heraus die Vorstellung von der Seele haben muss.

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Cite: GA 246/1916-03-03/p053 · edition original