Das Todesrätsel als Lebensrätsel

GA 246/1916-03-03/p067 ·1916-03-03 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Nach zum Teil bruchstückhaften Mitschriften» (From transcripts that are in part fragmentary). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 246), which also speaks of "fragmentarischen Hörernotizen und Vortragszusammenfassungen". The translation is the maintainer's, not a published one.

Es ist so trostlos, wenn man sieht, wie kurzsichtig die Menschen sind! Ich habe zu unseren Hamburger Freunden vor einiger Zeit gesagt, wie man sogar äußerlich, an äußeren Dokumenten sehen könnte, dass die Menschen noch vor verhältnismäßig kurzer Zeit richtige Anschauungen von der geistigen Welt hatten, Anschauungen so, dass sie wussten: Da ist die geistige Welt dahinter. Es waren dazumal atavistische Anschauungen. Jetzt muss es sich bewusst entwickeln. Aber denken Sie, wie eindrucksvoll es ist, wenn eben so etwas erlebt werden kann wie das Folgende: Erinnern wir uns an das biblische Bild von der luziferischen Verführung des Menschen. Wenn heute ein Maler das malt, naturalistisch, futuristisch oder kubistisch, impressionistisch oder expressionistisch ... (irgendwie «istisch» muss ja auch heute gemalt werden, nicht wahr) ... aber jedenfalls malt er so, dass er die Schlange malt - als Verführergestalt an einem Baume malt. Damit meint er gerade recht realistisch zu sein. Aber stellen Sie sich mal vor, dass eine heutige Schlange eine Frau verführen könnte! Selbst die Eva wird doch eine heutige Schlange nicht verführen können! Es kann doch höchstens die heutige Schlange als reales Tier selber auch nur ein Bild dessen sein, was gemeint ist. Oder glauben Sie, dass der real denkt, der an der Vorstellung festhält: Die Schlange des Paradieses muss man sich vorstellen wie eine heutige Schlange... und das hinmalt? - Der denkt ebenso wenig realistisch, wie der Kritiker, nicht wahr, realistisch denkt, welcher der Anthroposophie oder Theosophie vorwirft, dass in ihr Phantasten, lauter Phantasten arbeiten. So gibt es eine Besprechung über mich selber (ich glaube, im «Hammer» ist das erschienen): Da ist eine lange Geschichte, wie all das phantastisch sei, was vorgetragen wird. Und dann wird eine solche Phantasterei verurteilt, und dann teilt der Betreffende einige Notizen über mich mit: Es ist die reinste Phantasie! Es ist alles nur aus der Phantasie heraus geschöpft! Über den Ort, wo ich geboren bin, wie ich geboren bin, von wem ich abstamme - alles purste Phantasie! Ja, so konsequent sind schon einmal die Menschen!

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/246/1916-03-03/p067.json
Cite: GA 246/1916-03-03/p067 · edition original