Abstrakte Gedanken, lebendiger Wille
Es ist mir nach langer Zeit einmal wieder möglich, zu Ihnen zu reden. Ich möchte heute einiges sagen, was den gestrigen öffentlichen Vortrag öffentlich ergänzen kann. Man muss versuchen, den Menschen zu erkennen, wie er jetzt ist. Wenn ein Mensch hier in der physischen Welt stirbt, dann bleibt sein Leib als Leichnam zurück. Er wird von Seele und Geist verlassen, der Erde übergeben. Der tote Mensch ist ja eigentlich nicht mehr Mensch, sondern nur ein Abbild des Menschen. Was auf der Erde der Tod ist, ist eine Geburt in der geistigen Welt. Wenn hingegen die menschliche Seele nach der Empfängnis sich einen Leib baut, so bedeutet das ein Sterben für die geistige Welt. Die Seele stirbt für die geistige Welt. Wo bleibt aber nun dieser seelische Leichnam? Er bleibt nicht in der geistigen Welt, sondern er wird begraben in dem menschlichen Leib, in das Gehirn. Und was ist nun dieser Seelenleichnam? Es sind die abstrakten Gedanken des Menschen. Die Gedanken des Menschen sind nicht lebendig, sie sind tot.
Cite:
GA 246/1922-03-04/p004 · edition original