Abstrakte Gedanken, lebendiger Wille

GA 246/1922-03-04/p004 ·1922-03-04 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Nach zum Teil bruchstückhaften Mitschriften» (From transcripts that are in part fragmentary). The publisher's description of the volume, as mirrored on AnthroWiki (GA 246), which also speaks of "fragmentarischen Hörernotizen und Vortragszusammenfassungen". The translation is the maintainer's, not a published one.

Es ist mir nach langer Zeit einmal wieder möglich, zu Ihnen zu reden. Ich möchte heute einiges sagen, was den gestrigen öffentlichen Vortrag öffentlich ergänzen kann. Man muss versuchen, den Menschen zu erkennen, wie er jetzt ist. Wenn ein Mensch hier in der physischen Welt stirbt, dann bleibt sein Leib als Leichnam zurück. Er wird von Seele und Geist verlassen, der Erde übergeben. Der tote Mensch ist ja eigentlich nicht mehr Mensch, sondern nur ein Abbild des Menschen. Was auf der Erde der Tod ist, ist eine Geburt in der geistigen Welt. Wenn hingegen die menschliche Seele nach der Empfängnis sich einen Leib baut, so bedeutet das ein Sterben für die geistige Welt. Die Seele stirbt für die geistige Welt. Wo bleibt aber nun dieser seelische Leichnam? Er bleibt nicht in der geistigen Welt, sondern er wird begraben in dem menschlichen Leib, in das Gehirn. Und was ist nun dieser Seelenleichnam? Es sind die abstrakten Gedanken des Menschen. Die Gedanken des Menschen sind nicht lebendig, sie sind tot.

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