I. Die drei Schritte der Anthroposophie
Demgegenüber stellt sich die Anschauungsart des Goetheanums als eine solche, die im vollen Sinne den gegenwärtigen Gesichtspunkt der naturwissenschaftlichen Forschung bejaht und da anerkennt, wo er berechtigt ist. Dagegen strebt sie, durch die streng geregelte Ausbildung des rein seelischen Anschauens, über die übersinnliche Welt objektive, exakte Ergebnisse zu gewinnen. Sie läßt als solche Ergebnisse nur das gelten, was durch ein solches Anschauen der Seele gewonnen ist, bei der die seelisch-geistige Organisation ebenso exakt überschaubar ist wie ein mathematisches Problem. Es kommt darauf an, daß zunächst diese Organisation in wissenschaftlich einwandfreier Anschauung dasteht. Nennt man diese Organisation «Geistesauge», so muß man sagen: wie der Mathematiker seine Probleme vor sich hat, so der Geistesforscher sein eigenes «Geistesauge». Für ihn wird also die wissenschaftliche Methode zuerst auf jene Vorbereitung verwendet, die in seinen «Geist-Organen» liegt. Waltet in diesen Organen «seine Wissenschaft», so kann er sich dann derselben bedienen, und die übersinnliche Welt liegt vor ihm. Der Forscher der Sinneswelt lenkt seine Wissenschaft nach außen, nach den Ergebnissen. Der Forscher des Geistes betreibt Wissenschaft als Vorbereitung des Schauens. Beginnt das Schauen, dann muß die Wissenschaft bereits ihren vollen Beruf erfüllt haben. Will man dann sein «Schauen» Hellsehen nennen, so ist es «exaktes Hellsehen». Wo die Wissenschaft des Sinnlichen endet, da beginnt diejenige des Geistes. Der Geistesforscher muß vor allem seine ganze Denkweise an der neueren Wissenschaft vom Sinnlichen herangebildet haben.