I. Die drei Schritte der Anthroposophie

GA 25/l01/p012 · original (original)

Damit dies der Fall sein kann, muß das wahre Wesen des «Ich» erschaut werden können. Das aber ist der modernen Erkenntnis verlorengegangen. Selbst Philosophen sehen in dem «Ich» nur die Zusammenfassung der Seelen-erlebnisse. Die Idee, die sie dadurch von dem «Ich», dem Geistesmenschen, erhalten, wird aber durch jeden Schlaf widerlegt. Denn im Schlafe wird der Inhalt dieses «Ich» ausgelöscht. Ein Bewußtsein, das nur ein solches Ich kennt, kann nicht erkenntnismäßig in Religion einmünden. Denn es hat nichts, was dem Auslöschen des Schlafes widersteht. Aber eine Erkenntnis des wahren Ich ist dem modernen Geistesleben verlorengegangen; damit aber auch die Möglichkeit, von dem Wissen aus zur Religion zu kommen. Es wird, was von Religion einstmals vorhanden war, aus der Tradition als etwas hingenommen, wozu menschliche Erkenntnis nicht mehr kommen kann. Religion wird auf diese Art Inhalt eines Glaubens, der außerhalb der wissenschaftlichen Erlebnisse errungen werden soll. Wissen und Glaube werden zwei Erlebnisweisen für etwas, das einst eine Einheit war.

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