III. Imaginative, inspirierte und intuitive Erkenntnismethode

GA 25/l03/p001 · original (original)

Beim Eintreten in die imaginative Erkenntnis nimmt das Innenleben des Menschen eine andere Form an, als die des gewöhnlichen Bewußtseins ist. Und auch das Verhältnis des Menschen zur Welt ändert sich. - Man hat diese Änderung durch das Konzentrieren aller Seelenkräfte auf einen leicht überschaulichen Vorstellungskomplex herbeigeführt. Leicht überschaulich muß dieser sein, damit nichts von einem unbewußten Vorgang in die Meditation hineinspielt. In dieser muß alles nur innerhalb des Seelisch-Geistigen verlaufen. Wer ein mathematisches Problem durchdenkt, der kann ziemlich sicher sein, daß er dabei nur das Seelisch-Geistige engagiert. Unbewußte, gefühls- oder willensbeeinflußte Vorstellungsreminiszenzen werden da nicht hineinspielen. So muß es im Meditieren sein. Nimmt man hierzu eine Vorstellung, die man aus der Erinnerung herausholt, so kann man gar nicht wissen, wieviel aus dem Körperlichen, Instinktiven, dem Unbewußt-Seelischen man zugleich in das Bewußtsein hereinholt und beim Ruhen auf der Vorstellung zur seelischen Wirksamkeit bringt. - Es ist daher am besten, wenn man zum Meditationsinhalt etwas wählt, von dem man sicher ist, daß es der Seele ganz neu ist. Läßt man sich darinnen von einem erfahrenen Geistesforscher raten, so wird er vor allem darauf Rücksicht nehmen. Er wird einen Meditationsinhalt vorschlagen, der ganz einfach ist und den man ganz gewiß noch niemals gedacht haben kann. Es kommt dabei nicht darauf an, daß der Inhalt einem schon erfahrenen oder überhaupt einem Tatbestande der Sinnenwelt entspricht. Man kann zu einer bildhaften Vorstellung greifen, die nichts Äußerliches ab-bildet, z. B. «im Lichte lebt strömend Weisheit». Es kommt auf das Ruhen auf einem solchen Vorstellungskomplex an. Bei diesem Ruhen verstärken sich die geistig-seelischen Kräfte, wie sich die Muskelkräfte beim Verrichten einer Arbeit verstärken. Auf einmal kann die Meditation kurz sein; sie muß aber durch lange Zeiten wiederholt werden, wenn ein Erfolg eintreten soll. Je nach der Veranlagung kann dieser Erfolg bei der einen Persönlichkeit schon nach Wochen, bei der andern erst nach Jahren eintreten. Will jemand wirklicher Geistesforscher werden, so muß er solche Übungen in streng systematischer, intensiver Art machen. Zunächst wird durch ein Meditieren in der hier angedeuteten Art das erreicht werden, daß der Meditierende durch sein Innenleben eine Kontrolle von größerer Sicherheit über die Aussagen eines Geistesforschers hat als der gewöhnliche gesunde Menschenverstand. Doch reicht auch dieser, wenn er genug unbefangen und vorurteilslos ist, zu einer solchen Kontrolle durchaus aus.

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