IV. Erkenntnisgrundlagen einer wahren Philosophie, Kosmologie und Religion

GA 25/l04/p011 · original (original)

Die rein intellektualistische Begriffsphilosophie kann zu einer Anerkennung der Seelenunsterblichkeit wieder nur auf indirektem Wege gelangen. Sie kann, wie sie im Denken etwas Leichnamartiges erkennt, in dem Wollen etwas Keimhaftes feststellen, etwas, das ein in sich bestehendes Leben hat, welches über die Körperauflösung hinausweist, weil sich seine Wesenheit auch schon während des Erdendaseins als von diesem unabhängig zeigt. Auf diese Art, indem man nicht beim Denken stehenbleibt, sondern das gesamte Seelenleben zum Selbst-Erlebnis macht, kann man zu einer indirekten Anerkennung des ewigen menschlichen Wesenskernes gelangen. Man muß dazu seine Betrachtung nicht auf das Denken beschränken, sondern das Wechselspiel des Denkens mit den andern Seelenkräften der philosophischen Beweismethode unterwerfen. Man kommt damit aber doch nur zu einem Erleben des ewigen menschlichen Wesenskernes, so wie er im Erdendasein ist, nicht zu einer Anschauung des Zustandes vom menschlichen Geistig-Seelischen vor und nach dem Erdendasein. In dieser Lage ist z. B. die Bergsonsche Philosophie, die auf einem umfassenden Selbsterleben dessen fußt, was im Erdendasein ergriffen werden kann, die aber das Gebiet der wirklichen übersinnlichen Erkenntnis doch nicht betreten will.

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Cite: GA 25/l04/p011 · edition original