IV. Erkenntnisgrundlagen einer wahren Philosophie, Kosmologie und Religion

GA 25/l04/p012 · original (original)

Alle Philosophie, die bloß innerhalb des gewöhnlichen Bewußtsein stehenbleiben will, kann nur eine indirekte Erkenntnis des wahren Wesens der Menschenseele erlangen. Kosmologie in einer Art, daß durch sie auch die gesamte menschliche Wesenheit mitumfaßt wird, kann nur durch die imaginative, inspirierte und intuitive Erkenntnis erlangt werden. Innerhalb des gewöhnlichen Bewußtseins liegen ihr nur die Zeugnisse für das ersterbende und keimhaft wiedererwachende menschliche Seelenleben vor. Aus diesem Tatbestand kann sie sich bei unbefangener Betrachtung Ideen bilden, die auf Kosmisches hindeuten und ein solches erschließen lassen. Allein diese Ideen sind eben doch nur dasjenige, was aus dem geistigen Kosmos in das Menscheninnere hereinstrahlt und sich dazu auch noch innerhalb des Menschen in veränderter Form zeigt. Die Philosophie hatte in früheren Zeiten zwar noch einen Teil, der als Kosmologie auftrat. Allein der wirkliche Inhalt dieser Kosmologie waren sehr abstrakt gewordene Ideen, die sich traditionell aus alten Formen der Kosmologie erhalten hatten. Die Menschheit hatte diese Ideen ausgebildet, als noch eine alte traumhafte Imagination, Inspiration und Intuition vorhanden waren. Man entnahm diese Ideen der Tradition und faßte sie in das Gewebe des rein intellektuellen logischen oder dialektischen Beweisens. Man war sich dabei oft gar nicht bewußt, daß man diese. Ideen überkommen hatte. Man hielt sie für selbsterzeugt. Allmählich fand man, daß im neueren Geistesleben kein wirklicher innerer Lebenszusammenhang mit diesen Ideen vorhanden ist. Deshalb kam diese «rationelle Kosmologie» fast ganz in Mißkredit. Sie mußte das Feld räumen der aus den rein physisch-sinnlichen Naturerkenntnissen aufgebauten physischen Kosmologie, die aber, für eine unbefangene Beobachtung, den Menschen nicht mehr mitumfaßt. Eine wahre Kosmologie wird erst wieder entstehen können, wenn Imagination, inspirierte und intuitive Erkenntnis gelten gelassen und ihre Ergebnisse für die Erkenntnis der Welt verwertet werden.

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