X. Das Erleben des Willensteils der Seele in seiner Wirkung über den Tod hinaus

GA 25/l10/p013 · original (original)

Unmittelbar nach dem Tode hat der seelisch-geistige Mensch kurze Zeit den ätherischen Organismus an sich. Da tritt in dem Bewußtsein nur eine Andeutung des im Erdenleben entstandenen, unbewußten moralischen geistig-seelischen Wert-Wesens auf. Denn der Mensch ist da ganz in die Anschauung des ätherischen Kosmos versunken. In dem folgenden längeren Erlebnis zustande (den ich in meiner «Theosophie» die Seelenwelt genannt habe) ist zwar ein deutliches Bewußtsein dieser moralischen Wertwesenheit vorhanden, aber noch nicht die Kraft, das Wirken an dem Aufbau des Geistkeimes für den folgenden physischen Erdenorganismus zu beginnen. Der Mensch hat da noch eine Tendenz, wegen seiner im Erdenleben erworbenen moralischen Qualität nach diesem zurückzublicken. Nach einer gewissen Zeit kann der Mensch den Übergang zu einem Erlebniszustande finden, in dem diese Tendenz nicht mehr vorhanden ist. (Ich habe die Region, die der Mensch da durchlebt, in meiner «Theosophie» als das eigentliche Geistgebiet bezeichnet.) Vom Gesichtspunkte des übersinnlichen Gedankeninhaltes, den der Mensch - nach dem Tode - im kosmischen Bewußtsein erringt, kann man sagen: der Mensch lebt eine Zeitlang nach dem Tode noch der Erde zugewandt, indem er sich mit den geistigen Kräften durchdringt, die in den physischen Mondenerscheinungen ihr sinnliches Abbild haben. Er hat sich zwar äußerlich von der Erde losgelöst, hängt aber indirekt durch seinen geistig-seelischen Inhalt mit ihr zusammen. Mit den gekennzeichneten geistigen Mondenkräften durchdringt sich alles, was der Mensch während des Erdendaseins an moralisch-geistiger Bewertung zu einem realen Wert-Wesen in seinem astralischen Organismus - oder wie oben gesagt ist: in der unbewußten Region des gefühls- und willensgemäßen Seelenlebens - ausgestaltet. Dieses moralisch-geistige Wertwesen hat eine inhaltliche Verwandtschaft mit den geistigen Mondenkräften. Und diese sind es, die den Menschen an der Erde festhalten. Zur Ausgestaltung des Geistkeimes für den physischen Organismus des nächsten Erdenlebens muß er sich aber auch geistig-seelisch von der Erde trennen. Das kann er nur, wenn er sich auch aus dem Bereiche der Mondenkräfte löst. In diesem Bereiche muß er das mit ihm verwandte moralische Wertwesen zurücklassen. Denn das Wirken für den künftigen physischen Organismus im Zusammenhange mit den geistigen Wesen der übersinnlichen Welt muß unbeschwert durch jenes Wesen geschehen.

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