28. Theosophie in Deutschland vor hundert Jahren
Solange man dabei stehen bleibt, die bloße Außenseite der geistigen Entwicklung zu betrachten, wird man nicht leicht zu einer andern Meinung kommen. Dringt man aber bis zu den Unterströmungen, dann stellt sich die ganze Epoche in einem andern Lichte dar. Die scheinbaren Luftgebilde des bloßen Gedankens können erkannt werden als der Ausdruck eines tieferen okkulten Lebens. Und die Theosophie kann dann den Schlüssel liefern zum Verständnis dessen, was diese sechzig bis siebzig Jahre geistigen Lebens im Entwicklungsgange der Menschheit bedeuten. Es gibt in dieser Zeit in Deutschland zwei Reihen von Tatsachen, von denen die eine die Oberfläche darstellt, die andere aber als eine tiefere Grundlage betrachtet werden muss. Das Ganze macht den Eindruck eines dahingehenden Stromes, auf dessen Oberfläche sich in der mannigfaltigsten Weise die Wellen kräuseln. Und das, was man in den gewöhnlichen [Literaturgeschichten] darstellt, sind nur diese sich erhebenden und senkenden Wellen; man lässt aber unberücksichtigt, was in der Tiefe lebt, und wovon die Wellen eigentlich ihre Nahrung ziehen.
Cite:
GA 250/1906-06-04/p006 · edition original