25. Das Jüngerwerden der Menschheit Massregeln
Nun kam der vierte nachatlantische Zeitraum. Da ging wiederum das allgemeine Menschheitsalter zurück. Wir wissen, der dritte Zeitraum beginnt mit dem Jahre 747 vor dem Mysterium von Golgatha und endet mit dem Jahre 1413 nach dem Mysterium von Golgatha. Es war die Zeit, in der gewissermaßen der unmittelbaren Anschauung der Menschen, dem Miterleben der Menschen sich entzogen hatten die Geister der höheren Hierarchien, die unmittelbar durch die Elemente und ihre Kräfte in der Erde gewirkt hatten. Die Griechen, die Römer, sie blieben nur entwicklungsfähig bis in die Dreißigerjahre hinein, bis in die Lebensmitte. Das hängt allerdings zusammen mit der ganzen Lebensauffassung der Griechen und Römer, die ich ja auch schon berührt habe. Auf der einen Seite kommen wir in die Zeit hinein, in der jeder Mensch doch noch so nahesteht jenen alten Zeiten, in denen die Menschen dadurch, dass sie bis in die höheren Lebensalter hinein entwicklungsfähig geblieben waren, den Zusammenhang mit der geistigen Welt hatten, daher fühlte der Grieche —und das muss man heute wissen, wenn man das Griechentum beurteilen will -, daher fühlte der Grieche, wenn er die Hand bewegte, wenn er wächst, wenn er denkt, wenn er isst und trinkt, dass er da von einer Seele durchglüht ist; dass Seele in allem ist, was an ihm ist. Zweifeln daran, dass in allem, was sich körperlich-leiblich auslebt, Seelisches steckt, das wäre für den Griechen noch ein Unding gewesen. Aber, wollte ein Grieche, ein Römer mehr wissen von der geistigen Welt, so musste er dieses Wissen durch die Mysterien suchen. Da konnte man allerdings das Schauen in die geistige Welt sich noch erwerben, aber ganz interessant ist es ja, solche Griechen zu betrachten, die auf die Höhe der Geistesentwicklung gestiegen sind, die aber nicht in die Mysterien eingeweiht waren, wie zum Beispiel Aristoteles. Er war einer der größten Denker aller Zeiten. Er war ein Denker dieser Griechenzeit. Er konnte das denken, was nur ein Grieche denken konnte, aber das in der schärfsten Weise. Das heißt, für ihn war klar: Der Mensch als Leibeswesen musste zusammenhängen mit einem Seelisch-Geistigen. Aber nun sagte sich Aristoteles: Wenn ich einem Menschen einen Arm wegnehme, ist er nicht mehr ein ganzer Mensch. Wenn ich ihm zwei Arme abnehme, noch weniger. Wenn ich ihm aber wegnehme den ganzen Leib, wie es im Tode geschieht, dann ist er erst recht nicht ein ganzer Mensch. Daher ist für Aristoteles die menschliche Seele, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen ist, nicht mehr «ein ganzer Mensch». Ein ganzer Mensch ist selbstredend für Aristoteles bestehend aus Leib und Seele. Die Seele ist in gewisser Beziehung nur ein unvollständiger Mensch, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen ist. Aristoteles verteidigte die Unsterblichkeit der Seele philosophisch, aber sie ist ihm nur das, was sie für Homer war, der sagte: Besser ein Bettler in der Unterwelt als ein König im Reiche der Schatten. Ein König im Reiche der Schatten ist eine Seele unter unvollständigen Menschenseelen.
Cite:
GA 251/1917-06-10/p027 · edition original