25. Das Jüngerwerden Der Menschheit Massregeln
Während die Griechen eine Entwicklung durchgemacht haben — was sehr interessant ist, was Aristoteles gezeigt hat bis zu den Stoikern -, wo man zu wissen suchte, was menschliches Wissen wissen kann, ging die römische Entwicklung andere Wege. Indem das Imperium romanum aufgerichtet wurde, wollten nach der römischen Republik die römischen Imperatoren volle Menschen sein. Durch die Gewalt des physischen Planes konnten sie es erreichen, sich durch Gewalt die Initiation zu erzwingen. Und so haben wir die eigentümliche Erscheinung, dass wir auf der einen Seite erleben den Aristoteles, der es nur brachte bis zu einem solchen Begriffe der Unsterblichkeit, wie ich es geschildert habe, und dass wir haben auf der anderen Seite die eigentümliche Erscheinung, dass ohne genügende Vorbereitung, rein weil sie die Macht hatten, die römischen Imperatoren sich die Initiation erzwingen konnten. So war nicht nur Augustus ein Initiierter, der aus den Mysterien wusste, was es mit dem Menschen für ein Geheimnis ist; sondern zu den Eingeweihten haben wir auch zu zählen Caligula. Denn es ist eine Wahrheit und kein Märchen, dass Caligula durch seine Einweihung in die Mysterien in der Lage war, dasjenige zu verwirklichen, was bildlich ausgedrückt wird, aber richtig und wahr ausgedrückt wird damit, was die Geschichte übermittelt — dass er imstande war, in der Nacht mit den Geistern des Mondes zu verkehren und von da aus sich Inspirationen holen konnte. Wahr ist, dass Caligula nicht bloß aus dramatischer Fatzkerei heraus, sondern weil er wusste, was die Dinge für eine Bedeutung haben, bald als Jupiter, bald als Bacchus, bald als Apoll oder als irgendein anderer Gott sich anbeten ließ, weil er an die Identität des Menschen mit dem Gotte glaubte.
Cite:
GA 251/1917-06-10/p029 · edition original