25. Das Jüngerwerden der Menschheit Massregeln
Nun gibt es ein schönes Suchen, meine lieben Freunde, ein schönes Suchen für den gewissermaßen entseelt gewordenen Menschen, aber jetzt bewusst, nicht unbewusst, wie es war bei dem Perser, bei dem Ägypter -, es bestand das schöne Bestreben, den entseelten Menschen in seiner Seele wiederum hinaufzuführen in die geistige Welt; jetzt bewusst, weil der Leib nicht mehr an das Geistige anknüpft, nun mit der Seele anzuknüpfen an das Geistige. Der Weg ist begonnen, und er führt direkt in die Geisteswissenschaft hinein. Aber er muss gegangen werden. Es wird dieser Weg noch wenig heute verstanden. Es ist ein Zeichen, ein tiefbedeutsames Zeichen, wie begonnen worden ist durch Lessing, Herder, durch Schiller und Goethe und diejenigen, die mit ihnen waren, den entseelten Menschen wiederum anzuknüpfen an die geistige Welt. Und Schiller ist größer als Schreiber der Ästhetischen Briefe denn als Dichter. Denn in diesen Ästhetischen Briefen sucht Schiller für die Menschenseele den Weg wiederum zurück zum Geistigen. Er sucht ihn auf moderne Art, so wie ihn der moderne Mensch suchen muss. Damit ist Schiller durch seine «Briefe über ästhetische Erziehung» einer der größten Pädagogen der neueren Zeit, aber er ist auch gerade auf diesem Gebiet am allerwenigsten gewürdigt — und ebenso Herder; [und ebenso] Lessing, der zuerst in großen Linien hinweist auf die «Erziehung des Menschengeschlechts». Dann Goethe, in seinen Imaginationen das alles verknüpfend in seinem «Märchen» von der grünen Schlange und der schönen Lilie. Daher ist es nicht ein Zufall, sondern eine innere Notwendigkeit, dass angeknüpft wurde durch unsere Mysterienspiele, beim ersten Mysteriendrama an dieses Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie. Hier beginnt das, was der Menschheit vorgezeichnet ist für die nächste Zukunft, dass sie zu suchen hat aus inneren Impulsen heraus die Wiederanknüpfung an die geistige Welt, aber jetzt bewusst durch die frei auf sich gestellte Seele. Aber schwer werden diese Dinge heute verstanden. Schwierig ist es, ein Verständnis für sie zu verschaffen.
Cite:
GA 251/1917-06-10/p042 · edition original