{"corpus":"steiner","locus":"GA 251/1917-06-10/p075","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ein Mann in einer Stadt Mitteldeutschlands schreibt vor längeren Jahren einmal an die jetzige Frau Doktor Steiner, er wäre an einem Wendepunkt seiner Seele angekommen und wisse nicht, was er machen soll. Solle er einheiraten in ein Geschäft oder solle er auf eine andere Weise seiner Seele aufhelfen? Frau Doktor Steiner schrieb ihm, dass wir uns mit solchen Dingen ja nicht befassen könnten. Dann erschien er wieder als Mitglied der Theosophischen Gesellschaft in Berlin. Da hatte er ja zunächst die Mitglieder, trotzdem er keinen Schimmer vom Rezitieren hatte, dadurch überrascht, dass er in einer — nun, sagen wir in «überraschenden» Weise — Schillers «Kassandra» ergoss über die Trommelfelle [der Anwesenden]. Der Mann hatte nicht etwa das Bestreben, ein Künstler zu werden, wie er vorgab, sondern: Künstler zu sein. Es wurde mir dann von glaubwürdiger Seite erzählt, dass er das Einheiraten nun innerhalb unserer Gesellschaft schr stark verfolgte, es ist ihm aber nicht gelungen. Dann wandte er sich nach München. Dort ist alles für ihn getan worden, was man tun konnte. Er bildete sich ein, er müsse malen. Er konnte nicht malen, hatte auch kein Talent dazu. Aber, nicht wahr, es zeigt sich ja manches Talent, wenigstens die kleinen Talente, erst nach einiger Zeit. Man hat ihm Lehrer verschafft, aber man konnte ihn ja nicht im Handumdrehen zum Genie machen. Wenn er etwas hätte werden wollen, wäre man ja darauf eingegangen. Aber er wollte ein Maler sein, ein Genie sein, nicht erst werden. Das ist ein furchtbares Verbrechen, nicht wahr? Kurz, der Mann wurde nun auch eines Tages zum Feind, und er betreibt nun seit einiger Zeit eine merkwürdige Schreiberei. Er heißt nämlich Erich Bamler.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"25. Das Jüngerwerden der Menschheit Massregeln","site_heading":null,"date":"1917-06-10","location":null,"word_count":274,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/251/1917-06-10/p075","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/251/1917-06-10/p075"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/251/1917-06-10/p075","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}