{"corpus":"steiner","locus":"GA 251/1922-05-21/p011","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Aus solchen Untergründen heraus ist es gekommen, dass es vielleicht manchem älteren Mitglied, das gewohnt war, jede Woche den Zweig zu besuchen, dort mehr oder weniger esoterisch Geartetes zu hören, wie es dann in unsere Zyklen übergegangen ist, es auch zu hören in derjenigen Sprache, die noch nicht überall von Wissenschaftlichkeit durchdrungen ist — trotzdem sie eine haltbarere Sprache als die wissenschaftliche ist, ich will das in Parenthese hier einfügen -, manchem von den älteren Mitgliedern, die zwar gewohnt waren, in den öffentlichen Vorträgen in etwas anderer Sprache das zu hören, was sie in den Zweigen hörten, aber doch in einer Sprache, die außerordentlich bekannt an die Herzen und Seelen heranklang aus dem Grunde, weil das, was da gegeben wurde, nur eine Art mehr exoterischer Fortsetzung des in den Zweigen Getriebenen war -, manchem von diesen älteren Mitgliedern hat es doch dann geschienen, wenn sie da oder dort hingekommen sind, wenn auch dort Vorträge über Anthroposophie und vielleicht sogar Kongresse oder Kurse abgehalten worden sind, dass Anthroposophie nicht mehr so klinge, wie sie vor Jahren geklungen hat. Denn während vor Jahren mehr die geistige Substanz in demjenigen gelebt hat, was durch das Wort ausgesprochen worden ist, jene geistige Substanz, die durch ihre geistige Kraft sich unmittelbar in die Seelen senkt, trat jetzt etwas auf, was bei jedem Schritt wissenschaftlich zu «beweisen» sucht, Einwände zu widerlegen sucht, was bei jedem Schritt den Faden einer streng geschürzten Logik einhält, was auch bei jedem Schritt das vorbrachte, was aus den wissenschaftlichen Errungenschaften der Gegenwart Hindeutungen gab auf das, was durch Anthroposophie gerade im wissenschaftlichen Sinne gesucht wird. Aber dies alles war doch - ich meine es gar nicht böse - denjenigen herzlich gleichgültig, die in früheren Jahren ihre Sehnsucht hingetragen haben zu den mehr geistig-substanziell gestalteten Worten. So kam es, dass in manchen der älteren Mitglieder die Empfindung lebte: Ja, was wir da jetzt hören, das suchen wir eigentlich nicht. Das, was wir oftmals gehört haben, das drang unmittelbar in unsere Seelen ein; jetzt wird alles mit tausenderlei Gründen belegt, jetzt wird alles so vorgebracht, wie es eigentlich die gelehrten, die studierten Leute brauchen - und nicht wir!","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"39. Zur Charakteristik der Gegenwart","site_heading":null,"date":"1922-05-21","location":null,"word_count":355,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/251/1922-05-21/p011","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/251/1922-05-21/p011"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/251/1922-05-21/p011","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"other_renderings":{"loci":[{"locus":"GA 261/1922-05-21","ga":"261","lecture":"1922-05-21","kind":"excerpt","relation":"an excerpt or summary of the same lecture, or the lecture this unit excerpts"}],"note":"The same lecture is also served at the loci listed, each with how it relates to this one. They are ONE witness, not independent attestations: quote the rendering you fetched, and do not cite another as corroborating it. Wording differs between translations, so a quotation found in one need not occur in the other."}}