39. Zur Charakteristik der Gegenwart
Wir haben eben auf der einen Seite heute dasjenige, was als unsere anthroposophisch-esoterische Strömung vorliegt, wie sie in den Zyklen niedergelegt ist, wie die meisten von Ihnen sie in Ihren Herzen tragen, die sie aufgenommen haben, seit Jahren. Wir haben diese anthroposophische Geistesbewegung mit ihrem inneren Leben, mit ihrer inneren Kraft, mit ihrer inneren Wärme — eben mit dem, wodurch sie Seelen- und Lebensinhalt werden kann. Und wir haben auf der anderen Seite, wenn wir aus dem engeren Kreise unseres Zweiglebens heraustreten, diejenige Vertretung unserer anthroposophischen Bewegung, die, wie gesagt, überall der Anthroposophie einen wissenschaftlichen Charakter gibt, die zwar Anthroposophie vor die Welt hinstellt, aber sich der Gedankenformen und Gedankenverbindungen bedient, wie sie eben heute im wissenschaftlichen Leben einmal üblich sind. Gedankenformen und Gedankenverbindungen, die einer großen Anzahl unserer Mitglieder gar nicht recht sind, weil diese Mitglieder der Meinung sind, dass sie alles das nicht bräuchten. Ich rede dabei nicht etwa von den praktischen Ausgestaltungen der Anthroposophie, wie zum Beispiel von den medizinisch-therapeutischen Bestrebungen, sondern von dem, was mehr oder weniger als Lehre auftritt innerhalb der anthroposophischen Bewegung.
Cite:
GA 251/1922-05-21/p014 · edition original