39. Zur Charakteristik der Gegenwart
Auf der anderen Seite etwas ganz anderes, und es muss schon zugegeben werden, dass es etwas ganz anderes ist: Da sehen Sie, wie aus den Begriffen der modernen Physik, der Mathematik, der Chemie, Biologie, Psychologie, wie sie in der Wissenschaft üblich sind, oder wie heraus aus der Geschichte, der Pädagogik und so weiter Anthroposophie so geformt wird, dass sie gewissermaßen als eine Wissenschaft neben die anderen Wissenschaften, die an den Hochschulen getrieben werden, sich hinstellen kann. In Bezug auf den Charakter der Einkleidung sind allerdings diese beiden Strömungen sehr voneinander verschieden. Natürlich ist dasjenige sehr verschieden, was einmal aus dem Geiste heraus gesprochen wird, der bis in die letzten vier bis fünf Jahre hinein der alleinherrschende war, und dann dasjenige, was nun sich - eben nicht statt des anderen, aber neben das andere hingestellt hat. Und nur dadurch, dass - man möchte sagen: Gott sei es gedankt! — unsere lieben Mitglieder auch die Pflicht in sich fühlen, teilzunehmen an allem Anthroposophischen — während wiederum ja manchem die Chemie und Physik und alles andere Schöne, was die gegenwärtige Wissenschaft hat, herzlich gleichgültig ist —, nur dadurch, dass eben diese anderen Freunde auch zu diesen Leistungen gehen, die auf diesen Boden gestellt sind, finden dann jene Mitglieder, dass da ein Charakter in der anthroposophischen Bewegung auftrete, von dem sie glauben, dass sie ihn eigentlich nicht bräuchten, und worüber sie der Meinung sind, dass das etwas sei, was die Gelehrten untereinander mit sich abmachen mögen, was aber nicht hineingehöre in die ganze Breite der anthroposophischen Bewegung.
Cite:
GA 251/1922-05-21/p016 · edition original