39. Zur Charakteristik der Gegenwart
Meine lieben Freunde, von dem, was da äußerlich in wissenschaftlicher Gestalt dargeboten wird, und bis zu dem tiefsten Esoterischen hin ist ein gerader Weg! Und es könnte jederzeit, wenn Zeit und Gelegenheit dazu wären, gewissermaßen begonnen werden bei dem Äußerlichen, noch mehr wissenschaftlichen Charakter tragenden der einen Bewegung, und es könnte dieses fortgeführt werden bis in die tiefsten Tiefen des esoterischen Lebens hinein. Aber dazu ist uns bis jetzt nicht Zeit und Gelegenheit geboten worden. Daher findet der, welcher oftmals ganz aus allem Ernste heraus sich an unsere Bewegung macht, diesen uneinheitlichen Charakter: Auf der einen Seite das, was mehr in der öffentlichen Literatur niedergelegt ist; dann begehrt er die Zyklen — und findet etwas ganz anderes. Und so sehr dem Wesen nach diese Brücke da ist zwischen beiden - sie ist nicht der Tatsächlichkeit nach heute schon geschaffen. Unsere aktiven Mitarbeiter haben einfach in der einen oder anderen Bewegung ungeheuer viel zu tun und zu arbeiten gehabt, und daher konnte das, was zwischenliegen sollte, eben nicht in der erforderlichen Weise hineingestellt werden. Das wird schon etwas sein, was einmal in unserer Arbeit wieder aufgenommen werden muss: Dieses Zwischenglied zwischen dem, was für viele ältere Mitglieder gar nicht mehr als Anthroposophie klingt und was heute äußerlich in den Kongressen und Kursen lebt, und zwischen dem, was in den alten Zweigarbeiten und den Zyklen da war.
Cite:
GA 251/1922-05-21/p021 · edition original