{"corpus":"steiner","locus":"GA 251/1922-05-21/p033","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn man noch vor vierzig Jahren den Menschen daraufhin angeschaut hat, wie er sich intellektuell mit seinem Verstande betätigt hat —der Mensch, der gerade die Ausbildung des Verstandes zu seinem Beruf machte -, so war da etwas Tätiges in seinem Verstandesausbilden. Der Mensch war dabei. Es waren wirklich große Geister da, die den Verstand betätigten; in den Schulen waren Geister da, dass man sich freuen konnte über die Verstandesregsamkeit. Heute ist es nicht so, und es kommen einem die Menschen vor, als wenn der Verstand ein Stück tiefer gerückt wäre, und als wenn sie den Verstand als Mechanismus hervorbrächten. Man fühlt, wie die Menschen reden in Verstandesformen, aber wie wenn der Verstand gar nicht mitarbeiten würde. Es sind schon ganz einfältige Redewendungen, denen man begegnet. Je weiter man nach Westen kommt, desto schlimmer ist es, aber in Deutschland nistet es sich auch heute schon ein. Wenn jemand einen Satz hinschreibt und das Prädikat nicht dort hinstellt, wo es aus irgendeinem Grunde sein soll, so ist das stillos; und wenn Sie nach Frankreich kommen, so ist dort schon alles stillos, weil da die Sprache schon stereotyp geworden ist. In Deutschland kann man wenigstens noch seine Sätze drehen, um so verschiedene Möglichkeiten des Ausdrucks zu bekommen, aber in Frankreich gewöhnen sich die Leute das allmählich ab. Im Osten — der Bolschewismus hat es wegbringen wollen, aber es wird sich schon wieder bemerkbar machen - ist noch eine gewisse Biegsamkeit in der Sprache vorhanden. Aber im Allgemeinen nimmt diese Biegsamkeit mit der Zivilisation ab. Es ist besonders bei jüngeren Leuten so, dass sie wie Mechanismen reden. Sie fangen an - vor vierzig Jahren wäre es einem interessant gewesen, darauf zu achten, wie sie weiterreden würden -, heute weiß man es schon, man ist gar nicht mehr daran interessiert; sie reden wie ein aufgezogenes Uhrwerk. Es ist - man kann das heute sehen, aber man will die Augen davor verschließen - eine gewisse Verkalkung der Menschen eingetreten, sogar buchstäblich, sodass der Intellekt eben durchaus heruntergerutscht ist. Da nimmt ihn aber Ahriman in Empfang. Er kann nicht, wie die Menschen, durch sein Nerven-Sinnes-System wirken, sondern er wirkt durch die Elementargeister. Was für uns die Gehirne und Ätherleiber sind, das sind für Ahriman die Elementargeister; er wartet, bis sie sich ihm zur Verfügung stellen. Aber er hat sie als sein Gehirn und als das zu einem ledernen Beutel gewordene Herz. Es ist so, dass sich die elementarischen Geister den ahrimanischen Mächten zur Verfügung stellen. Das ist die eine Seite.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"39. Zur Charakteristik der Gegenwart","site_heading":null,"date":"1922-05-21","location":null,"word_count":413,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/251/1922-05-21/p033","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/251/1922-05-21/p033"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/251/1922-05-21/p033","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"other_renderings":{"loci":[{"locus":"GA 261/1922-05-21","ga":"261","lecture":"1922-05-21","kind":"excerpt","relation":"an excerpt or summary of the same lecture, or the lecture this unit excerpts"}],"note":"The same lecture is also served at the loci listed, each with how it relates to this one. They are ONE witness, not independent attestations: quote the rendering you fetched, and do not cite another as corroborating it. Wording differs between translations, so a quotation found in one need not occur in the other."}}