Dritter Vortrag

GA 253/1915-09-12/p005 ·1915-09-12 · original (original)
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Swedenborg darf man, sagte ich, nicht leicht nehmen. Swedenborg war nicht ein Seher, der leichten Herzens, ohne viel vom Leben und der Welt zu kennen, sich der Sehergabe ergeben hat, sondern Swedenborg war ein tiefer, bedeutender Gelehrter, einer der größten, wenn nicht gar der größte seiner Zeit. Er umfaßte mit seiner Gelehrsamkeit alles dasjenige, was die damalige Wissenschaft dem Menschen geben konnte. Und ein großer Beweis für Swedenborgs gut begründete Wissenschaftlichkeit und für sein Erkenntnisstreben ist, daß nun nicht etwa für seine als Seher hinterlassenen Werke, sondern für seine rein wissenschaftlichen Werke, die noch nicht veröffentlicht sind, eine ganze Kommission von Gelehrten sich gebildet hat, um sie herauszugeben. Also wir haben es in Swedenborg mit einem Menschen zu tun, der in seiner vorseherischen Zeit, bevor ihm die Zugänge zur geistigen Welt eröffnet waren, so weit war, daß er die Summe seines Wissens - vielleicht gar nicht einmal die Summe, sondern nur ein Teil seines Wissens - in einer großen Anzahl von Manuskripten niederlegte, die heute nicht ein Gelehrter herausgeben kann, sondern wozu eine ganze Kommission von Gelehrten notwendig ist. Es handelt sich dabei also um die Schriften, die ganz ferne stehen allem Sehertum; denn erst als Swedenborg schon auf der Höhe weltlicher Wissenschaft stand, ging ihm der Sehersinn auf, erst dann waren für ihn die geistigen Welten offen geworden. So erscheint er uns als das Beispiel eines Mannes, der nicht aus dem gewöhnlichen vulgären Leben heraus sich eines Tages zum Seher ernennt, sondern der auf der Grundlage ernster und gewissenhafter Wissenschaftlichkeit zur Stufe des Sehers aufsteigt.

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Cite: GA 253/1915-09-12/p005 · edition original