Dritter Vortrag
Gewiß, damit beschreibt Swedenborg die Welt der Imagination in einer ganz zutreffenden Weise; aber beurteilen kann er sie nicht, weil er über die ganze geistige Welt eben den Schleier seiner Gewohnheiten von der physischen Welt her wirft. Und so kommt es, daß ihm alle Wesen der geistigen Welten nur dasjenige zeigen, was sie auch einkleiden können und wollen in die Form der Imaginationen, die man von den Anschauungen der physischen Welt mitbringt. Das heißt, Swedenborg sieht nur so viel von der geistigen Welt, als ihm in seine von den Gewohnheiten der physischen Welt angekränkelten Imaginationen eingekleidet wird. Gewiß sieht er darinnen hochgeistige, bedeutende geistige Wesenheiten, aber eben immer in dem Kleid, das nicht ihr eigenes ist, sondern ihnen übergeworfen wird von ihm selber. Kommt er aber in eine Region hinein, in der die Geister gerade anstreben, ihr Inneres zu verbergen, da kann er sie nicht mehr verstehen, da sind sie ihm rätselhaft, wie diese Marsbewohner, die gelernt haben, ihr Innenleben zu verbergen, es nicht überfließen zu lassen in ihre Sprachweise. Das ist es, was dem, was da Swedenborg sehr gewissenhaft schildert, zugrunde liegt und was man erkennen muß, um zu verstehen, welcher Art die Seherwelt Swedenborgs war.
Cite:
GA 253/1915-09-12/p020 · edition original