{"corpus":"steiner","locus":"GA 254/1915-11-07/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ein Beispiel aber einer ringenden Seele, ich möchte sagen, einer, trotz ihrer Bedeutung bescheidenen, ringenden Seele, möchte ich heute besprechen, einer Seele, die voll mitgelebt hat das geistige Ringen des 19. Jahrhunderts. Damals, als die große philosophische Welle durch die Zeit gegangen ist, da war dieser Mann, von dem ich sprechen möchte, jung. Er hat mitgemacht alle jene großen Gedanken, welche die idealistischen Philosophen im Beginne des 19. Jahrhunderts heraufgetragen haben, die idealistischen Philosophen und Naturphilosophen, die, wie Fichte, Schelling, Hegel, geglaubt haben, durch intensive Anstrengung des Denkens, des individuellen Denkens, hineinzukommen in die Sphäre, wo die Weltenrätsel sich enthüllen. Jene philosophische Welle hat der Betreffende durchgemacht, welche vorzugsweise aus einer gewissen starren Einseitigkeit des Denkens heraus, man möchte sagen, die ganze Welt konstruieren wollte. Dann hat er mitgemacht den Übergang zu der Zeit, wo man geglaubt hat, daß es mit diesem Denken ganz und gar nichts ist, daß man auf diese Weise gar nicht zu irgendwelcher Enthüllung der Welträtsel kommen könnte. Er wächst deshalb da hinein, wo man sich gesagt hat: Das Denken kann überhaupt nichts, man muß den Blick richten auf das weite Feld der äußeren, sinnlichen Erfahrung, man muß die sinnlichen Erfahrungen messen, wiegen, sie miteinander vergleichen, muß sie auf äußere Weise ableiten. - Man muß hinzufügen: ihm sind noch gegenwärtig die, welche an die Stärke des Denkens noch glauben, während in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein gewisses Mißtrauen zum Denken vorherrschte und die Ansicht bestand, nur das äußerliche, sinnliche Beobachten sei dasjenige, woran man als Mensch glauben dürfe. Dann hat derselbe Mann sehr bedeutungsvolle Entdeckungen gemacht auf diesem äußeren sinnlichen Gebiete, gerade in einer Sphäre, die erkenntnistheoretisch außerordentlich aufklärend ist.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dreizehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1915-11-07","location":null,"word_count":276,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/254/1915-11-07/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/254/1915-11-07/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/254/1915-11-07/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}