Dreizehnter Vortrag
Aber dadurch, daß er herüberlebt, ich möchte sagen, aus der denkerisch gerichteten Zeit in die sinnlich gerichtete Zeit, hat sich in ihm aufgerührt und aufgerüttelt alles, was die Seele an inneren Kräften hat, an solchen Kräften, die mit der Frage ringen: Wie kann der Mensch überhaupt die Anknüpfung finden an die wirkliche Realität, an das Wahre im Weltall? Da kommen dann über die menschliche Seele eigentümliche Augenblicke, Augenblicke, wo die menschliche Seele sich wie an einem finsteren Abhang stehend fühlt, wo sie sich sagt: Was man auch versucht an Gedankenschöpfungen und an allem möglichen innerlich zu entwickeln, wo hat man denn eine Sicherheit, wo hat man ein Kriterium dafür, daß dies doch nicht auch aus der Seele hervorgeholt ist, daß es nicht menschlich-subjektiv ist, eventuell sogar mit dem Tode seine volle Bedeutung verliert, also im Grunde genommen nicht hineinführen würde in das ganze Getriebe der Welt?
Cite:
GA 254/1915-11-07/p009 · edition original