{"corpus":"steiner","locus":"GA 254/1915-11-07/p015","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"«Die Jodine ist ein Heilmittel von außerordentlicher Wirksamkeit. Sehr natürlich. Es ist noch kein Jahr, daß sie angefangen hat, gegen den Kropf wirksam zu sein, und somit hat sie durch das Alter noch nichts von ihrer ersten Kraft verloren. Denn wir finden bei jedem Heilmittel, daß es zu Anfange seines Gebrauchs unübertreffliche Wirkungen zeigt und alle früher gegen dieselbe Krankheit angewandte Mittel ganz und gar entbehrlich macht; sobald es aber eine Zeitlang im Medizinkasten der Materia medica gelegen hat, zur verlegenen und kraftlosen Ware wird, geradeso wie Kinder, an denen man in ihren frühern Jahren einen ausgezeichneten Verstand bemerkte, im spätern Alter gewöhnlich Dummköpfe werden. Wir haben an der Ratanhiawurzel vor einigen Jahren ein auffallendes Beispiel dieser Art gesehen. Drohte sie nicht in ihrem Übermute, alle unsere Tonica und Adstringentia aus den Apothekerkasten zu werfen, und beschämte sie nicht selbst die China, die sich doch sonst immer in Respekt zu erhalten weiß, durch die Wunderkuren, die sie von sich erzählte? Jetzt möchte die Ratanhia sich selber mit Ratanhia kurieren, da sie, wie es den Ärzten zu gehen pflegt, die von den Krankheiten, die sie am häufigsten heilen, am öftersten angesteckt werden, an einer so chronischen Schwäche leidet, daß sie alle Prahlereien vergißt und sich ganz ruhig zur Tormentille und Columbo hinsetzt, über die sie sonst mit einer so vornehmen Miene hinwegsah; und wenn sonst kein Schleim- und Blutfluß war, der nicht vor dem bloßen Namen Ratanhia gezittert hätte, so sehen wir jetzt diese ungezogenen Krankheiten häufig der großen Meisterin geradezu ins Gesicht lachen und eine Widerspenstigkeit zeigen, von der sie zu Anfange ihrer Praxis laut allen Nachrichten nie eine Spur erfahren hatte. Man kann nach diesem Allen den Ärzten nicht genug raten, die Jodine jetzt, da sie noch in ihrer ersten Jugendkraft ist, so oft als möglich zu benutzen, ehe auch sie der Marasmus senilis unbrauchbar macht.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dreizehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1915-11-07","location":null,"word_count":307,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/254/1915-11-07/p015","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/254/1915-11-07/p015"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/254/1915-11-07/p015","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}