Dreizehnter Vortrag
«Da wir den Grundsatz zur Basis unsrer Untersuchungen aufgestellt haben, daß jede Substanz Jodine enthalte, die den Kropf heile: so wollen wir jetzt die Mittel aufzählen, die dieses Vermögen in vorzüglichem Grade besitzen sollen. Dies sind folgende: Gebrannter Schwamm, von dem schon oben die Rede gewesen ist, Extractum Cicutz, Digitalis, Antimonium crudum, Mercurius dulcis, gebrannte Eierschalen, Juchten und Tuchlappen. Nun ist gar kein Zweifel, daß alle diese Mittel wirklich Jodine enthalten, die sich auch nach unsrer Zerlegungsmethode sehr leicht würde daraus darstellen lassen; und selbst das Messer, welches die Exstirpation des Kropfes verrichtet, kann dies nicht anders, als durch seinen Gehalt an Jodine bewirken, indes steht doch zu befürchten, daß bei unserm immer skrophulöser werdenden Zeitalter am Ende alle diese Mittel nicht mehr ausreichen werden, und ich habe daher, um diesem Mangel im Voraus vorzubeugen, darüber nachgedacht, ob sich nicht ein andrer Körper entdecken ließe, der die Jodine in noch reichlicherem Maße enthielte, und siehe, da bin ich auf eine herrliche Entdeckung geraten, von der sich nie ein Arzt, nie ein Chemiker noch Physiker je etwas hat träumen lassen, und die, ich kann es mit Stolz sagen, als ein glänzendes Meteor in den Jahrbüchern der Wissenschaft dastehen wird. Hört es und staunt! Der Mond, ja der Mond ist nichts weiter, als ein großer Klumpen Jodine. Als echtes Meeresprodukt schwimmt er dort im blauen Himmelsozean herum, um, wie selbst jedem alten Weibe bekannt ist, die Kröpfe auf dieser Erde zu vertreiben, und beurkundet hierdurch so schön, daß nichts ohne Nutzen und Zweck an seinen Ort gestellt ist. Man könnte zwar dann fragen, wozu die kleinen Jodinekleckse, die Sterne, da wären? Je nun, doch wohl um die Warzen zu kurieren, als kleinere Verkröpfungen der Hände und des Gesichts, deren Vertreibung man sonst fälschlich mit auf Rechnung des Mondes setzte. Welche reichhaltige Quelle von Jodine ist uns durch diese Ansicht auf einmal geöffnet, wie schön lassen sich alle Erscheinungen an und im Monde damit in Übereinstimmung bringen, und zu welchen glänzenden Resultaten wird sie uns noch weiter führen, so daß ich behaupten kann, das ganze Jahrhundert habe keine folgenreichere und für die Wissenschaft wichtigere Entdeckung aufzuweisen.
Cite:
GA 254/1915-11-07/p022 · edition original