Öffentlicher Vortrag

GA 255b/1921-01-04/p037 ·1921-01-04 · original (original)
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Da sagt man sich zum Beispiel: Nun, ich lebe irgendwo, umgeben von Menschen. Hunderte von Menschen sind um mich herum, einzelne von ihnen kenne ich gar nicht; andere kenne ich, gehe aber doch gleichgültig an ihnen vorüber; einzelne von diesen Hunderten stehen mir besonders nahe. Es geschieht ein Ereignis, ein Todesfall innerhalb dieser mich umgebenden Menschen. Es kann das geschehen, daß das mir gleichgültig ist; es kann auch so geschehen, daß dieser Todesfall für mich ein Schicksalsschlag ist, weil ich zu dem Menschen, der durch den Tod gegangen ist, in ein näheres Verhältnis getreten bin. Und nun lernt man von solchen Dingen: Wenn man sieht, daß aus der ganzen Fülle des Lebens gewisse Dinge einem näherstehen, gewisse Vorgänge mit einem verbundener sind als andere, lernt man zurückblicken auf die Art und Weise, wie man zu diesen Erlebnissen gekommen ist. Ist man ausgestattet mit jener Erkenntnisfähigkeit, die aus der Liebe herausentwickelt ist, dann sieht man den Weg, den man in diesem Leben gemacht hat seit der Geburt. Man lernt einen inneren vernünftigen Zusammenhang kennen, der allerdings sonst unbewußt abläuft. Man lernt sich sagen: Ich blicke von jetzt zurück. Vor dreißig Jahren, da habe ich etwas unternommen, was ganz ferne lag denjenigen Ereignissen, die ich heute erlebe. Aber wenn ich das, was ich damals unternommen habe, verknüpfe mit dem, was ich vor fünfundzwanzig Jahren unternommen habe, vor zwanzig Jahren, vor zehn Jahren, und dann die Strömung verfolge bis zu dem, was ich gegenwärtig erlebe, dann merke ich einen inneren Zusammenhang. Ich merke vor allen Dingen eines: Dasjenige, was mir sonst so scheint, als hätte nur ein äußeres, naturmechanisches Leben mich geschoben, das erscheint mir nun hervorgehend aus meinem Willen. Es war mir nicht bewußt, und dennoch war es der in mir selbst wirkende Wille, der schon vor dreißig Jahren Dinge unternommen hat, die in ihrem weiteren Fortgang zu meinen heutigen Schicksalserlebnissen führen. Ich erlebe das Schicksal in seinem Zusammenhang mit dem Willen. Das Schicksal in seinem Zusammenhang mit dem Willen der innersten Menschennatur enthüllt sich, aber so, daß man mit der Erkenntniskraft der Liebe jetzt zurückblicken kann in frühere Erdenleben. Man sieht: Aus vorigen Erdenleben rühren die Impulse her, die zunächst unbewußt geblieben sind und die machen, daß man nicht durch äußere mechanische Naturordnung hingeschoben wird zu seinen Erlebnissen, sondern daß man hingeschoben wird zu demjenigen, was in einen gepflanzt war im vorigen Erdenleben, was dann geistig weiter ausgebildet worden ist zwischen dem Tod und der letzten Geburt und was jetzt in einem lebt, was einen von Lebensereignis zu Lebensereignis führt, insofern diese Ereignisse solcher Art sind, daß sie einen unmittelbar ergreifen. Man lernt den Zusammenhang des jetzigen Lebens mit früheren Leben kennen.

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Cite: GA 255b/1921-01-04/p037 · edition original