Zweiter Vortrag

GA 257/1923-01-30/p016 ·1923-01-30 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Das werden vor allen Dingen diejenigen zu berücksichtigen haben, die sich zum Beispiel als Wissenschafter in die anthroposophische Bewegung hineinbegeben haben. Als solche Wissenschafter sollten sie nicht nur anstreben, ein anderes Weltenbild zu entwerfen, als dasjenige ist, welches die sogenannte äußere Wissenschaft anstrebt, sondern sie sollten sich klar sein, daß sie vor allen Dingen das anthroposophische Gestimmtsein und innerlich Lebendigsein in die verschiedensten Wissenschaften hineinzutragen haben. Dann würden sie viel weniger in Polemik gegen die andern Wissenschaften geraten als vielmehr in ein Ausgestalten desjenigen an den andern Wissenschaften, was eben ohne Anthroposophie nicht ausgestaltet werden kann. Ich muß dies betonen in einer Zeit, in der wir in einer Krise der Anthroposophischen Gesellschaft leben, in einer Krise, die nicht zum wenigsten herbeigeführt wird durch das Verhalten wissenschaftlicher Kreise innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft. Ich muß es auch hier an dieser Stelle betonen, daß durch den Atomismusstreit in der «Drei» die naturwissenschaftliche Diskussion auf ein totes Geleise geführt worden ist. Denn so sollte dieser Streit, diese Diskussion niemals geführt werden, daß, ich möchte sagen, mit denselben Gedankenformen hinüber- und herübergeschlagen wird und unter Umständen mit dem Wichtigsten sogar der sogenannte Gegner noch Recht hat. Dasjenige, um was es sich heute handelt, ist, daß gerade zum Beispiel die physikalische Wissenschaft in ihren Tatsachen - wenn man sie nimmt, wie sie ist, ohne daß man wider sie polemisiert - gerade die allerwichtigste Grundlage gibt für die anthroposophische Auffassung, während das Polemisieren, ohne das Hineintragen des anthroposophischen Gestimmtseins, eben auf ein totes Geleise führt, wie es führen mußte und wie es geführt hat in der Polemik, die in der «Drei» entfaltet worden ist.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/257/1923-01-30/p016.json
Cite: GA 257/1923-01-30/p016 · edition original