Neunter Vortrag

GA 257/1923-03-03/p020 ·1923-03-03 · original (original)
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Der Mensch ist also im sinnlichen Sprechen und im sinnlichen Handeln unmittelbar mit der geistigen Welt vereint. Es ist im richtigen Kultus so, daß die Welt, die gewissermaßen da in das Sinnliche hereingebracht wird in Wort und Handlung, derjenigen entspricht, aus der wir Menschen aus unserem vorirdischen Leben heruntergezogen sind. Wie sich, wenn drei, vier, fünf Menschen im vierzigsten, fünfzigsten Lebensjahre zusammenkommen, welche die Kindheit zusammen erlebt haben, diese versetzt fühlen in die Welt, in der sie als Kinder zusammen waren, so fühlt sich derjenige, der einen richtigen Kultus mit den andern zusammen mitmacht — er weiß es nicht, es bleibt im Unterbewußten, aber dadurch lebt es sich um so mehr in das Fühlen und Empfinden ein -, versetzt in die Welt, in der sie ja gemeinsam waren, bevor sie auf die Erde heruntergestiegen sind. Denn so wird der Kultus gebildet. Der Kultus wird so gebildet, daß der Mensch im Kultus richtig etwas erlebt, was durchaus Erinnerung ist, Bild von dem ist, was er im vorirdischen Dasein, also bevor er zur Erde heruntergestiegen ist, erlebt hat, Und so fühlen diejenigen, die zu einer Kultgemeinde gehören, in einem erhöhten Maße das, was ich vorhin nur zur Verdeutlichung beschrieben habe, wenn man in einem späteren Lebensalter zusammenkommt mit einer Gruppe und Kindheitserinnerungen austauscht: sie fühlen sich versetzt in eine Welt, die sie gemeinsam durchgemacht haben im Übersinnlichen. Das macht das Bindende in der Kultusgemeinde aus. Das hat immer das Bindende beim Kultus ausgemacht. Und wenn es sich um religiöses Leben handelt, das nicht atomisieren soll, das also nicht in die Predigt das Wesentlichste legen soll, sondern in den Kultus, dann führt der Kultus eben zur wirklichen Gemeinschaftsbildung, zur Gemeindebildung. Und religiöses Leben kann nicht ohne Gemeindebildung bestehen. Daher ist die Gemeinschaft, die auf diese Weise eine Erinnerungsgemeinschaft in bezug auf das Übersinnliche ist, auch eine Sakramentsgemeinschaft.

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Cite: GA 257/1923-03-03/p020 · edition original