{"corpus":"steiner","locus":"GA 257/1923-03-03/p024","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Bitte beachten Sie nur einmal folgendes: Versetzen Sie sich zurück in Zeiten, in denen religiöse Strömungen innerhalb der Menschheit sich ausgebreitet haben. Sie werden sehen, daß in abgelebten, in früheren Zeiten der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit der oder jener Verkündigung aus der geistigen Welt von vielen Menschen mit ungeheurem Enthusiasmus begegnet worden ist. Ja, es wäre gar nicht möglich gewesen, daß die heute vorhandenen religiösen Bekenntnisse die Menschen tragen, wenn nicht bei ihrer Verkündigung eine viel stärkere Affinität der Seelen für etwas, was aus der geistigen Welt verkündet worden ist, vorhanden gewesen wäre, als das heute der Fall ist. Man kann sich gar nicht vorstellen, wenn man die heutigen Menschen betrachtet, daß sie von so etwas gefangen werden könnten, wie oftmals in früheren Zeiten die Verkündigung religiöser Wahrheiten war. Gewiß, es finden heute noch Sektenbildungen statt; aber gegenüber dem Feuer, mit denen Menschenseelen früheren Verkündigungen entgegengekommen sind, haben die heutigen Sektenbildungen etwas Philiströses. Es ist nicht die innere Wärme der Seelen vorhanden für das Aufnehmen von Geistigem. Das hat im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts sogar in rapider Weise abgenommen. Aus der Unbefriedigtheit finden sich heute allerdings noch Menschen, die dem oder jenem zuhören, auch zu einem gewissen Bekenntnis von dem oder jenem kommen; aber jene positive Wärme, die früher da war in den Menschenseelen und die einzig und allein möglich gemacht hat, daß man um Geistiges sein ganzes Wesen, sein ganzes menschliches Wesen eingesetzt hat, das ist gewichen einer gewissen Kühle, ja Kälte. Und diese Kühle und diese Kälte, die ist ja auch in den Menschenseelen vorhanden, wenn sie heute von Idealen und Idealismus reden. Denn heute ist eigentlich etwas die Hauptsache, was im Grunde noch lange nicht Erfüllung ist, was im Grunde noch lange Erwartung sein wird, aber als Erwartung in ungeheuer vielen Menschen heute schon lebt. Das kann ich Ihnen auf die folgende Weise charakterisieren.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Neunter Vortrag","site_heading":null,"date":"1923-03-03","location":null,"word_count":308,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/257/1923-03-03/p024","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/257/1923-03-03/p024"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/257/1923-03-03/p024","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}