Neunter Vortrag
Nun, wenn dies (es wird gezeichnet) das Niveau ist, wodurch übersinnliche Welt von sinnlicher Welt sich scheidet, so haben wir im Kultus die Vorgänge und Wesenhaftigkeiten der höheren Welt (oben); wir haben sie im Kultus, im Kultuswort und in der Kultushandlung auch in die physische Welt herunterprojiziert (unten). Wenn wir einen anthroposophischen Zweig haben, so haben wir dasjenige, was in der physischen Welt in der anthroposophischen Gruppe erlebt wird, durch die Kraft des wirklichen Idealismus, der spirituell wird, hinaufversetzt in die geistige Welt. Durch den Kultus wird das Übersinnliche in Wort und Handlung heruntergeholt in die physische Welt. Durch den anthroposophischen Zweig werden die Gedanken und Empfindungen der Anthroposophengruppe hinauferhoben in die übersinnliche Welt. Und wenn in der richtigen Gesinnung erlebt wird der anthroposophische Inhalt von einer Menschengruppe, wobei Menschenseele an Menschenseele erwacht, wird tatsächlich diese Menschenseele erhoben zur Geistgemeinschaft. Nur handelt es sich darum, daß dieses Bewußtsein wirklich vorhanden ist. Wenn dieses Bewußtsein vorhanden ist und solche Gruppen in der Anthroposophischen Gesellschaft auftreten, dann ist in diesem, wenn ich so sagen darf, umgekehrten Kultus, in dem andern Pol des Kultus, etwas Gemeinschaftsbildendes im eminentesten Sinne vorhanden. Man möchte sagen, wenn man bildlich sprechen will: Die Kultgemeinde versucht die Engel des Himmels zu veranlassen, herunterzugehen in den Kultraum, damit sie unter den Menschen seien. Die anthroposophische Gemeinde versucht, die Menschenseelen zu erheben in die übersinnliche Welt, damit sie unter die Engel kommen. Das ist in beiden das gemeinschaftsbildende Element.
Cite:
GA 257/1923-03-03/p033 · edition original