{"corpus":"steiner","locus":"GA 258/1923-06-13/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun muß man sich fragen: Wie steht es denn mit dem geschichtlichen Hergang bezüglich der Entstehung dieses klaffenden Abgrundes? Da müssen Sie zurückschauen in diejenigen Jahrhunderte, in denen noch nicht diese moderne Bildung da war, wo dasjenige, was gelehrtes Leben war, eben nur von einigen wenigen, die dazu gründlich vorbereitet waren, getrieben wurde. Seien Sie sich doch klar darüber, daß heute ein zwölfjähriges Schulmädchen in bezug auf äußere Bildung mehr in sich trägt als irgendein Gebildeter des 11. oder 12. oder 13. Jahrhunderts. Diese Dinge darf man nicht übersehen. Und diese Bildung ist so geworden, daß sie getragen wird von einem ganz außerordentlich intensiven Autoritätsgefühl, von einer schier unbezwinglichen Autoritätsempfindung. Es steht sozusagen dieser Bildung im Laufe der Jahrhunderte immer mehr und mehr etwas zu Gebote, was diesen Autoritätsglauben an die moderne Bildung immer größer und größer macht. Es ging im Laufe der Jahrhunderte diese moderne Bildung immer mehr und mehr über auf dasjenige, was nur die äußeren Sinne sagen, oder was die Rechnung sagt. Nun, je weniger der Mensch innerlich mit sich zu Rate geht, desto mehr leuchtet ihm ein, daß das wahr ist, was er, wie man sagt, mit seinen fünf Sinnen sieht, und was man so sieht, daß es errechnet ist, wie zwei mal zwei vier ist. Was du siehst mit deinen fünf Sinnen, was so ist, wie zwei mal zwei vier ist, das ist wahr. Indem man alles andere abgeleugnet hat und nur schließlich immer mehr und mehr das aufgenommen hat in die moderne Bildung, was so wahr ist, wie das, was man mit den fünf Sinnen sieht oder mit den fünf Fingern abzählen kann, so wurde eben — weil das eine so große Autorität ist, dieses «zwei mal zwei ist vier» und diese fünf Sinne — die moderne Bildung nach und nach mit der Autoritätsempfindung, die sie hat, ausgerüstet, weil man von ihr sagen kann, sie ist so gewiß wie das, daß zwei mal zwei vier ist, und wie dasjenige, was die fünf Sinne sagen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierter Vortrag","site_heading":null,"date":"1923-06-13","location":null,"word_count":330,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/258/1923-06-13/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/258/1923-06-13/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/258/1923-06-13/p017","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}