Vierter Vortrag
Und diesem, das Seelische eigentlich wie traumhaft empfinden, körperfrei empfinden — das tut selbst der einfachste Landmensch, das Seelische körperfrei empfinden —, dem konnte man nimmermehr entgegenkommen mit einem Erkennen, das nur auf die Materiie und ihre Vorgänge hin orientiert war. Denn innerhalb dieser Materie und ihrer Vorgänge gab es so etwas nicht wie das, was der Mensch an seinem Seelischen erlebte, was ein Nachklang war seines vorirdischen Daseins. Man konnte dem nur entgegenkommen, wenn man ihm klarmachte, wenn ich das schockierende Wort gebrauchen darf: Unser tiefstes menschliches Wesen ist wie aus Träumen gewoben, Dem, was in uns gewoben ist, wie die Träume gewoben sind, was nur ein stärkeres Sein, eine stärkere Existenz hat, dem sind die Dinge, die in der physischen Umgebung sind, nicht gleich. Man ist ja wie ein Fisch, der aus dem Wasser heraus muß und in der Luft leben soll, wenn man mit dem, was man in der Seele trägt, nur in der Welt leben soll, die die moderne Bildung vor den Menschen hinzaubert. Wie der Fisch anfängt, eben nicht atmen zu können in der Luft, wie der Fisch anfängt zu schnappen, wenn er nicht atmen kann, so leben eben solche Seelen in der modernen Atmosphäre, indem sie schnappen nach dem, was sie brauchen. Das finden sie nicht, weil es Geistiges ist. Denn es ist der Nachklang dessen, was sie erlebt haben im vorirdischen Dasein, in der geistigen Welt. Sie wollen von Geistigem hören, daß Geistiges da ist, daß mitten unter uns Geistiges ist.
Cite:
GA 258/1923-06-13/p045 · edition original