Die Freiheit des Menschen und das Michael-Zeitalter

GA 26/l28/p003 · original (original)

Man muß diese Erinnerungskraft im rechten Lichte sehen. — Wenn der Mensch in der gegenwärtigen Epoche des kosmischen Werdens mit den Sinnen wahrnimmt, so ist dies Wahrnehmen ein augenblickliches Aufleuchten von Welt bildern im Bewußtsein. Das Auf leuchten kommt, wenn der Sinn auf die Außenwelt gerichtet ist; es durchhellt das Bewußtsein; es verschwindet, wenn der Sinn sich nicht mehr an die Außenwelt richtet. — Was da in der Menschenseele aufleuchtet: es darf nicht Dauer haben. Denn brächte der Mensch es nicht rechtzeitig aus seinem Bewußtsein heraus, er verlöre sich an den Bewußtseinsinhalt. Er wäre nicht mehr er selbst. Nur kurze Zeit, in den sogenannten Nachbildern, die Goethe so sehr interessierten, darf im Bewußtsein das «Leuchten» durch die Wahrnehmung leben. Es darf dieser Bewußtseinsinhalt auch nicht zum Sein erstarren; er muß Bild bleiben. Er darf ebensowenig real werden, wie das Bild im Spiegel real werden kann.

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