6. Erkenntnisstreben und Wille zur Selbstzucht

GA 260a/1924-02-24_02/p008 ·1924-02-24 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Das sind Dinge, die stark darauf hinweisen, wie das lebendigere Erkenntnisstreben in der Anthroposophischen Gesellschaft notwendig begleitet sein muß von dem Ringen nach einer Veredelung des Gefühlsund Empfindungslebens. Das verstärkte Erkenntnisstreben vertieft das Seelenleben nach der Region hin, wo Hochmut, Selbstüberschätzung, Teilnahmslosigkeit mit andern Menschen und noch vieles andere lauern. Ein minderes Erkenntnisstreben greift auch nur schwach in diese Region ein. Es läßt sie in den Tiefen der Seele schlafen. Ein regsames Erkenntnisleben stört sie aus ihrem Schlafe auf. Gewohnheiten, die sie niedergehalten haben, verlieren ihre Kraft. Das Ideal, das auf Geistiges sich richtet, kann Seeleneigenschaften erwecken, die ohne dieses Ideal nicht offenbar geworden wären. Die Anthroposophische Gesellschaft sollte dazu da sein, durch die Pflege edlen Gefühls- und Empfindungslebens Gefahren entgegenzuwirken, die da lauern. Es gibt Instinkte in der Menschennatur, die zur Furcht vor der Erkenntnis treiben, weil sie solche Zusammenhänge wittern. Wer aber sein Erkenntnisstreben deshalb schlummern läßt, weil durch dessen Pflege seine häßlichen Gefühle aufgerührt werden, der verzichtet auch darauf, den vollen Umfang des wahren Menschen in sich zu entwickeln. Es ist menschenunwürdig, die Einsicht zu lähmen, weil man sich vor der Charakterschwäche fürchtet. Es kann allein menschenwürdig sein, mit dem Erkenntnisstreben auch das nach dem Willen zur Selbstzucht zu verbinden.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/260a/1924-02-24_02/p008.json
Cite: GA 260a/1924-02-24_02/p008 · edition original