Ansprache Bei Der Kremation Von Hermann Linde

GA 261/1923-06-29/p024 ·1923-06-29 · original (original)
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Hermann Linde war eine milde Natur, aber eine Natur, die innerhalb der Milde ihrer Seele auch einen starken, berechtigten kritischen Geist hatte, eine Natur, die prüfte, was ihr entgegentrat, und eine Natur, die deshalb prüfen mußte, weil andere Eindrücke, die schon da waren, in einer starken Weise in der Seele haften geblieben sind. Und so hatte Hermann Linde zwischen dem, was in seiner Seele lebte, was seine Seele durchwärmte, was seine Seele oftmals auch mit herben Zweifeln erfüllte auf der einen Seite, und mit dem, was ja, weil es gar so sehr abweicht von allem übrigen, das man in der Gegenwart antrifft, auf der andern Seite mit Anthroposophie an die Seelen herangebracht wird, er hatte mit diesen beiden Strömungen seine Seelenkämpfe auszukämpfen. Und wir dürfen heute, wo sein Erdenleben abgeschlossen ist, also auf dasselbe zurückblicken, daß wir uns sagen können: Wenn eine solch edle, milde, aber innerlich ernste Seele nicht aus übersprudelnder Empfindung, sondern aus innerlich sich selbst getreuer Selbsterkenntnis den Weg in diese Geistesströmung gefunden, dann ist das etwas, was diese Geistesströmung so ansehen darf, daß es für sie selbst gewissermaßen ein ihre innere Kraft erhärtendes Zeugnis ist. -— Eine Bewegung, die in der Lage ist, darauf hinzudeuten, daß gute Menschen die Möglichkeit fanden, sich mit ihr zu vereinigen, darf sich das im schönsten Sinne zugute halten.

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