Ansprache Bei Der Kremation Von Hermann Linde
Der Ausgangspunkt für eine Geistgemeinschaft mit dieser Seele sollen die Tage sein, in denen er uns für den physischen Anblick entrissen worden ist. Er hat unserer Gemeinschaft zurückgelassen seine liebe Gattin, unsere liebe Freundin, zurückgelassen seine liebe Tochter. Wir müssen den Schmerz, den sie tragen über seinen Hin“gang, in wahrer innerer Herzlichkeit mitzuttagen verstehen. Wir müssen verstehen, dadurch unsere an ihn hingegebenen Gedanken recht wertvoll zu machen, daß wir in innigster Liebe verbunden bleiben, solange uns dies auf Erden vergönnt ist, mit diesen seinen uns befreundeten Hinterbliebenen. Wir müssen es zu unserem Willen und zu seiner geistigen Freude machen, seinen Hinterbliebenen das zu sein, was ihm, wenn er herunterschaut auf dasjenige, was auf der Stätte geschieht, auf der er so lange gewirkt hat, zur inneren geistigseelischen Befriedigung dienen kann. Dies ist wirklich seelisch-praktische Anthroposophie. Wenn wir im rechten Sinne wissen, daß der Tod nicht Zerstörer des Lebens, sondern Anfang einer anderen Lebensform ist, so müssen wir verstehen im rechten Sinne auszulegen, daß die Liebe, die einem, der nun für das Erdenleben tot ist, zugeteilt worden ist, mit diesem Tode ebenfalls in eine andere Daseinsform tritt. Und wenn wir nicht verstehen diese Metamorphose der Liebe, dann verstehen wir auch nicht im rechten Sinne die Metamorphose des Lebens, die wir doch zu verstehen meinen, wenn wir uns überhaupt einer solchen Geistesbewegung, wie sie die anthroposophische ist, anschließen.
Cite:
GA 261/1923-06-29/p039 · edition original