{"corpus":"steiner","locus":"GA 265a/1911-12-25/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn wir uns nun vor Augen halten, dass wir stets umgeben sind von diesem Weltengeist, dann wissen wir auch, dass wir vor ihm stehen, wie wir in Wahrheit sind, nicht, wie wir vor der Welt erscheinen wollen, durch Unaufrichtigkeit, Unwahrheit. In den höheren Welten ist nichts da, was uns hinwegtäuschen könnte über unsere Untugenden. Da stehen wir ganz verlassen da von alle dem, mit dem wir uns hier als Täuschung umgeben möchten. Lüge, Täuschung, Unaufrichtigkeit haben keinen Zutritt zu dieser Welt. Es gibt dort gar keine Worte dafür, da [diese] Eigenschaften [dort] nicht vorhanden sind. Und wenn ein Mensch wirklich so schlecht ist, dass er aus seiner Inkarnation gar keine guten Eigenschaften mit heraufbringt in die höheren Welten, so käme er nicht einmal in das niedere Devachan hinein, sondern müsste sich so schnell als möglich wiederverkörpern. Deshalb muss der Mensch, ehe er hinaufkommen kann, seine Untugenden im Kamaloka ablegen, denn in den höheren Welten wird nur das Gute aufgenommen, es gibt dort kein Böses. Was der Mensch sich als Gutes, Wahres erarbeitet hat, wird dort aufgenommen, seine schlechten Eigenschaften, Begierden, seine Leidenschaften und Fehler nimmt er wieder auf als sein Karma, das er abtragen muss. Die zweite Flamme ist ein Abbild von der wahren Schönheit, die auf dem niederen Devachanplan weilt und in den Menschen hineinstrahlt als wahre Frömmigkeit. Die wahrhaft fromme Seelenkraft blickt hinauf in den Himmelsraum und schaut an die Gestirne als Ausdruck für die hinter ihnen webenden göttlich-geistigen Wesenheiten, und tiefste Frömmigkeit dringt durch eine solche Seele. Und beim Sonnenuntergang fühlt sie: Ja, jetzt sinkt die Sonne herab, Dunkelheit tritt ein — aber in dieser kann aufgehen eine andere Sonne, die heller erstrahlt und leuchtet als die physische Sonne. Es kann der Seele aufgehen, die Mitternachtssonne. So müssen wir denken lernen, empfinden lernen in jedem Augenblick, dass dasjenige, was aus der geistigen Welt herabstrahlt, als wahre Frömmigkeit hier empfunden wird, und dort im Devachan als Schönheit lebt. Aber es ist dies etwas anderes, als was man auf der Erde «Schönheit» nennt. Diese «wahre Schönheit» der devachanischen Welt ist für uns verborgen wie durch einen Schleier. Wir sehen sie nicht eher, als bis wir durch wahre Frömmigkeit, durch wahre Reinheit, durch absolute Wahrheit hier auf der Erde uns vorbereitet haben, sie in ihrem Glanz zu schauen droben im Devachan. Alles, was wir zu sehen glauben als «Schönheit», bevor wir würdig sind einzutreten in diese Sphäre der Schönheit, was wir vielleicht als Engelsgestalten, als erhabene Bilder sehen — das ist alles Täuschung. Das wandelt sich um in Hässlichkeit, wenn wir die Täuschung besiegen. Zu der wahren Schönheit kommen wir nur durch wahre Frömmigkeit.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Drei Lichter: Weisheit, Schönheit, Stärke","site_heading":null,"date":"1911-12-25","location":null,"word_count":434,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/265a/1911-12-25/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/265a/1911-12-25/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/265a/1911-12-25/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Nach Erinnerungsaufzeichnungen von Teilnehmenden","evidence_translation":"From participants' records written from memory","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."},"other_renderings":{"loci":[{"locus":"GA 265a/1911-10-28","ga":"265a","lecture":"1911-10-28","kind":"excerpt","relation":"an excerpt or summary of the same lecture, or the lecture this unit excerpts"}],"note":"The same lecture is also served at the loci listed, each with how it relates to this one. They are ONE witness, not independent attestations: quote the rendering you fetched, and do not cite another as corroborating it. Wording differs between translations, so a quotation found in one need not occur in the other."}}