Der Hüter der Schwelle
Würde der Hüter verlangen, dass alle Fehler bei dem Esoteriker ausgerottet wären, dann würde er das Unmögliche verlangen. Denn niemand ist frei von Fehlern. Die Fehler sind da. Jeder Mensch ist voll [...] von schlechten Wünschen und Begierden und erliegt den Leidenschaften. Wenn jemand sich etwas anderes einbildet (wenn jemand sich einbildet, er habe sie nicht), dann [wird] er, wenn nicht eher, vor dem Hüter etwas ganz anderes erkennen. Dort wird er alle seine Fehler in ihrer Hässlichkeit schen. Mut und Furchtlosigkeit müssen da sein, um die Wahrheit über sich selber zu schen. Der Hüter zwingt den Menschen zur Selbsterkenntnis und lässt den Schüler nicht ein, bevor er [nicht] seine Fehler zugibt. Dies muss sein. Jedenfalls sich selber gegenüber muss er seine Fehler eingestehen (einräumen), dass er von Egoismus durchdrungen und voller schlechter Begierden und vieler anderer Fehler ist. Ein chrliches, wahres Zugeben, dass es so ist, ist die erste Bedingung, die der Hüter stellt, um den Esoteriker hereinzulassen.
Cite:
GA 265a/1923-05-21/p041 · edition original