{"corpus":"steiner","locus":"GA 266a/1904-02-21","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266a/1904-02-21","ga":"266a","lecture":"1904-02-21","lecture_number":null,"title":"Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1904-02-21","site_heading":null,"date":"1904-02-21","location":null,"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"passage_count":6,"word_count":1900,"translation_credit":null,"witnesses":[{"lang":"de","edition":"original","is_original":true,"is_default_edition":true,"first_passage":1,"last_passage":6,"passage_count":6,"word_count":1900},{"lang":"en","edition":"English","is_original":false,"is_default_edition":true,"first_passage":1,"last_passage":20,"passage_count":20,"word_count":1944,"completeness":{"ratio":1.02,"band":"comparable","note":null}}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. 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Februar 1904 \nAm Ende der letzten Stunde habe ich noch davon gesprochen, \ndaß der Mensch die Möglichkeit hat, durch ein solch intimes \nMittel wie Gedächtniskontrolle auch auf seinen sogenannten \nAstralkörper zu wirken. Ich will heute noch einiges hinzufügen. \nDieser Astralkörper, der uns wie eine Wolke umhüllt, in dem \nsich unsere Begierden, Instinkte und Leidenschaften zum Ausdruck bringen, ist außerdem der Träger von etwas, was fortwährend in unserem Geiste lebt und arbeitet: er ist der Träger unseres Gedächtnisses. Alles, was wir als Gedächtnis oder als Erinnerung bezeichnen, haftet an dem Astralkörper. Der Gedanke, \nden Sie gestern gefaßt haben, ist heute noch in Ihnen. Er hat aber \nkeine Möglichkeit, in Ihnen zu bleiben, wenn er nicht im Astralkörper eingebettet ist, wenn er nicht Schwingungen anregt, die \nbleiben und heute wieder zum Dasein zurückrufen, was Sie gestern als Erlebnis gehabt haben. Nun ist es unmöglich, daß der \nMensch auch nur einen Schritt in der Entwicklung des Astralkörpers vorwärts macht, wenn er nicht an seinem Erinnerungsvermögen, an seinem Gedächtnis arbeitet. \nIch habe gesagt, wie der Mensch arbeiten soll an der strengen \nKontrolle des Denkens, an der Kontrolle des ganzen Gedankenlebens; wie er sich klar sein muß, daß seine Gedanken wirkliche \nVorgänge sind, daß es die größte Unwahrhaftigkeit ist, wenn \ngesagt wird, daß die Gedanken «zollfrei» sind und daß wir für \ndie Gedanken keine Zuschauer haben. Wer wirkliches Schauen \nin sich entwickeln will, der muß an seiner Erinnerung, an seinem Gedächtnis arbeiten. Das können wir nur dadurch, daß wir \nunsere Erinnerungen nicht in wirrer Weise über den Horizont \nunseres Bewußtseins heraufkommen und ebenso wieder verschwinden lassen. \nWie gehen denn unsere Erinnerungen durch unser Bewußtsein? Sie kommen und gehen. Der Mensch überläßt sich ihnen."},{"locus":"GA 266a/1904-02-21/p003","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266a/1904-02-21/p003","passage_number":3,"word_count":613,"text":"Der Mensch ist gejagt von auf- und abflutenden Erinnerungen. \nSolange er dies ist, ist er auch allen Zufällen und Einflüssen hingegeben, die von außen auf den Astralkörper fortwährend ausgeübt werden. Dies kann nur dadurch beseitigt werden, daß wir \nuns täglich eine kurze, wenn auch nur ganz kurze Zeit, der Pflege unseres Gedächtnisses widmen. Es darf uns das aber nicht \nhindern, unseren ganzen übrigen Lebensverpflichtungen getreulich zu obliegen. Das ist der oberste Grundsatz der Theosophie, \ndaß niemand dadurch von dem Berufe, den er im Leben hat, \nabgehalten wird. \nAlso nur wenige Minuten täglich für die Pflege des Gedächtnisses sollen tatsächlich Wunder in unserem Astralkörper hervorbringen. \nDas, was wir erreichen sollen, kann mit wenigen Worten gesagt werden: Wir müssen unser Leben zu einer Schule des Lernens machen. Für die wenigsten Menschen ist das Leben eine \nSchule des Lernens. Die meisten geben sich der Lust und dem \nSchmerz hin. Und wenn das Leben an ihnen vorüberzieht, zieht \nSchmerz, Freude und Behagen vorüber; sie lernen von ihrem Leben gar nichts. Der Theosoph dagegen sagt sich: Jeder Tag muß \nmich vorwärtsbringen; jeder Tag muß für mich eine Stufe der \nEntwicklung sein. \nDarum läßt der Theosoph keinen Tag vorübergehen, ohne die \nwichtigen Ereignisse des Tages vor seinem Geiste, vor seinem \ngeistigen Blicke vorüberziehen zu lassen. Der beste Augenblick \nist der letzte Augenblick, den wir im wachen Zustande verbringen: also der Augenblick unmittelbar vor dem Einschlafen. Wenn \nwir imstande sind, uns da noch zwei, drei, vier, fünf Minuten \nmit den Erlebnissen des Tages auszufüllen, sie in einer objektiven Weise an uns vorüberziehen zu lassen, dann erreichen wir \nfür den Astralkörper vieles. \nWährend des Tages empfinden wir Lust und Schmerz, Freude \nund Behagen. Der Theosoph soll nun nicht etwa sein Leben abstumpfen, sondern er soll lebhaftes Mitgefühl und lebhaften Abscheu empfinden, und das während des ganzen gewöhnlichen \nTageslebens. Niemand soll ihn da von andern Menschen unterscheiden können. Unterscheiden soll er sich von den andern nur \nwährend der ausgesonderten vier, fünf bis zwanzig Minuten. \nDann läßt er die Empfindungen - Lust und Schmerz, Freude und \nUnbehagen - nicht in der gewöhnlichen Weise an sich vorüberziehen, sondern er denkt darüber nach: Was hat mir Lust und \nSchmerz bereitet? Was hat mir Behagen und Unbehagen gemacht? \nWar diese Lust, war dieser Schmerz berechtigt? Könnte es nicht \nanders sein, wenn ich den Gedanken etwas anders angesehen \nhätte? Könnte ich das Behagen und Unbehagen nicht in einer \nanderen Weise erregen? Könnte ich nicht Einfluß haben auf den \nGang der Ereignisse? Habe ich so gehandelt, wie ich immer handeln möchte? Habe ich so gehandelt, daß ich es in Einklang bringen kann mit der ganzen Harmonie der Weltenordnung? - Kurz, \nes ist das Hinaufheben des Tageslebens auf einen höheren Standpunkt. \nWenn wir in diesen vier, fünf bis zwanzig Minuten unsere \nEmpfindungen betrachten, sie nochmals erleben, aber nicht so, \ndaß wir den gleichen Eindruck haben, sondern uns objektiv ihnen gegenüberstellen, so daß wir unser Sehen sehen, unser Hören hören und über unseren Schmerz und unsere Lust uns klar \nwerden, uns klar werden darüber, ob wir die Lust, den Schmerz \nnicht vielleicht verschuldet haben in unserer Trivialität, kurz, daß \nwir uns klar werden über unsere ganze Stellung in der Welt, dann \nhaben wir aus unseren Erlebnissen etwas gelernt, dann arbeiten \nwir an der Entwicklung unserer Astralorgane. \nDerjenige, welcher auf dem Astralplane sehend ist, der schauen kann, der kann sehen, wie der Astralleib eines Menschen sich \nverändert, wenn dieser wachsam ist und jahrelang diese Übungen macht. Dann fängt sein Astralleib an, organisiert zu werden. \nWährend er früher chaotisch war, ein wahres Durcheinander -\nSchlangenlinien in grotesken Windungen können Sie in den \nAstralleibern der Menschen sehen -, treten jetzt bestimmte \nFormen in ihm auf, regelmäßige Formen, er fängt an, sich zu \ngliedern."},{"locus":"GA 266a/1904-02-21/p004","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266a/1904-02-21/p004","passage_number":4,"word_count":332,"text":"Das kann der Mensch heute gewöhnlich zwar noch nicht sehen, aber die Pflege des Gedächtnisses ist gerade der Weg, wodurch wir instand gesetzt werden, selbst diese Verwandlung bei \nuns und unseren Mitmenschen zu sehen. Das, was wir heute erlebt haben, ist morgen unsere Erfahrung, und die Erfahrung ist \nder Prüfstein für unsere künftigen Erlebnisse. Das erhöht unsere \nEntwicklung und organisiert unseren Astralkörper. So unbedeutend dies auch erscheint, so sicher wirkt es. Es trägt dazu bei, \ndaß das geistige Auge geöffnet wird, hineinschaut in die Gefühle \nder anderen, wirklich sehend wird in der geistigen Welt. Und \ndann müssen Sie dem zu Hilfe kommen dadurch, daß Sie alles \ndasjenige von sich abstreifen, was sich an Ihr Selbst heftet, an \nIhre Eigenheit, an Ihr Sonderwesen. Wenn Sie imstande sind, \nirgend etwas, was zu Ihrem Sonderwesen gehört, zu unterdrükken, dann entwickeln Sie dadurch Ihren Astralkörper. \nDiejenigen, welche Erfahrung haben, wissen, daß es eine ungeheure Wirkung hat, wenn es gelingt, folgendes zuwege zu bringen. Der Mensch hat hundert und aberhundert von Meinungen. \nEs ist aber sehr unwichtig, ob der A oder der B zu einer Sache \netwas meint. Der Weise meint etwas und der Tölpel auch. Jeder \nhält seine Meinung für das unendlich Wichtigste, und diese Meinung will er zunächst geltend machen. Daher hören Sie so oft \ndie Menschen sagen: Ich glaube das, ich glaube jenes. - Versuchen Sie daher einmal in der Rückschau sich klar darüber zu \nwerden, wie unbedeutend es ist, wenn man bei jeder Gelegenheit \nseine eigene Meinung vorbringt; sie kann ja das Unwichtigste, \ndas Unrichtigste sein, denn das, was wir meinen, hängt gewöhnlich von Lust und Unlust ab. Bringen wir es zustande, unsere \nMeinung nicht vorzubringen, dann üben wir etwas Wichtiges und \nspeichern eine ungeheure Kraft auf. \nJede solche unterdrückte Offenbarung des Sonderwesens, jedes \nStillschweigen ist eine neue Anhäufung von Kraft für unsere Erkenntnis. Je mehr wir imstande sind, zuzuhören und nicht unsere \nMeinung zu sagen, desto rascher steigen wir auf zu den direkten \nErkenntnissen und zum direkten Schauen. Das ist für denjenigen,"},{"locus":"GA 266a/1904-02-21/p005","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266a/1904-02-21/p005","passage_number":5,"word_count":343,"text":"der keinen Einblick hat in die Organisation der menschlichen Seele, etwas Unglaubliches. Aber ebenso sicher, wie im Akkumulator \ndie Kräfte sich sammeln, so können sich die Seelenkräfte akkumulieren, wenn wir unsere Meinungen unterdrücken. Kraft und Stärke gibt dies. Wer überall Meinungen zu äußern hat, wird nur langsam aufsteigen können; wer viel schweigen kann, wer die Dinge \nzu sich reden lassen kann, der wird rasch aufsteigen. Das ist eine \ngoldene Regel in bezug auf die direkte Erkenntnis: Wenn wir nicht \nden Dingen unsere Meinungen entgegenhalten, dann werden die \nDinge zu uns sprechen. \nEin sehr bedeutsamer Ausspruch der Geheimlehre sagt: Ich \nhabe sehr viel gelernt von denjenigen, die über mir stehen; ich \nhabe viel gelernt von denjenigen, die gleich mir sind; und ich habe \nam meisten gelernt von denjenigen, die unter mir stehen! - Es \nist das Lernen von denen, die unter uns stehen, das Lernen durch \nZuhören und durch Unterdrücken unserer Meinungen, was uns \nin die Höhe bringt. Und am meisten lernen wir, wenn wir die \nNatur zu uns sprechen lassen und ihr zuhören. Dann erreichen \nwir das, was erreicht werden muß, nämlich die Kraft, mit unseren Meinungen wirklich auszusetzen. Haben wir uns die vier bis \nfünf Minuten gegönnt, um den Astralleib auszubilden, dann \nkommt noch etwas anderes. \nWas machen die Menschen, wenn sie vor einer Frage stehen? \nSie mag Großes oder Kleines bedeuten. Was machen da die Menschen? Sie denken darüber nach, zerbrechen sich den Kopf und \nglauben, daß sie es sein müssen, welche die Lösung der Frage \naus den Tiefen des Denkens herausholen. Wer den Weg der Erkenntnis geht, macht es nicht so. Goethe hat es charakterisiert, \nwie er auch sonst vieles angedeutet hat als Eingeweihter. Er sagt \neinmal: Wir sind nicht berufen, die Frage zu lösen, sondern zunächst aufzustellen und zu warten, wie sich die Frage selbst löst. \nUnterschätzen Sie diese Art, Fragen zu lösen, nicht! Sie wirkt \nganz gewaltig. Wir suchen uns ganz klar die Frage zu stellen, \ndenken aber nicht über die Antwort nach, sondern über die \nMittel, die geeignet sind, die Frage zu lösen. Sagen wir, ich stehe"},{"locus":"GA 266a/1904-02-21/p006","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266a/1904-02-21/p006","passage_number":6,"word_count":326,"text":"zum Beispiel vor der Frage, ob ein Mensch schuldig ist oder \nunschuldig, ob er aus bösem Willen oder aus unschuldigem Herzen heraus gehandelt hat. Denke ich darüber nach, so werde ich \nkein richtiges Urteil erhalten. Aber ich werde zu einer Antwort \nkommen, wenn ich sein Leben betrachte, soweit es mir zugänglich ist; wenn ich mich frage: Was ist mir mit ihm passiert? Wie \nist er mir entgegengetreten? Was sprach er zu mir? Was sprach \ner mit anderen Menschen? - Das sind also keine Antworten, sondern Fragen, die ich mir selbst geschaffen habe. Die sind zu bedenken. Wenn ich dies in reger Weise tue und die Antwort unterdrücke, so kommt es dazu, daß das Bild, das ich mir schaffe, \nselbst die Antwort gibt. Mich schalte ich gleichsam aus. \nWenn Sie dies mit all Ihrer Willenskraft tun, sich ausschalten, \nso daß Ihr Selbst nicht dabei ist, daß Ihr Denken unterdrückt \nist, wenn Sie sich überwinden dazu, sich keine Antwort zu geben, sondern mit der vorbereiteten Frage einschlafen, dann werden Sie die Erfahrung machen, daß Sie morgens aufwachen werden mit einer Antwort, die viel richtiger und sicherer ist, als die, \nwelche sich Ihnen abends hätte ergeben können. Während Ihr \nphysischer Körper ruhte, war Ihr Geist entkörpert und hat die \nMittel zur Beantwortung der Frage aus den höheren Welten geholt. Es empfiehlt sich, einen Bleistift sich zurecht zu legen, denn \nman muß morgens beim Erwachen die Antwort gleich aufschreiben. Unterläßt man es, so vergißt man sie wieder, weil man \nunter ganz andere Einflüsse kommt. \nDer ohrenbetäubende Lärm des Alltags läßt die Menschen \nnicht dazu kommen, die höheren geistigen Fähigkeiten auszubilden. Deshalb müssen wir lernen, durch diese Übungen, die jeder \nkennt, der sich mit dem intimeren Geistes- und Seelenleben bekannt macht, das Alltagsleben für kurze Zeit vor uns verschwinden zu lassen. Sind wir dazu imstande, so können wir in diesen \nausgesonderten Momenten das entwickeln, was die Theosophen \n«Spiritualität», «geistiges Schauen» nennen. Eine ganz neue Welt \ngeht dann um uns herum auf."}]}