Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1904-02-21
der keinen Einblick hat in die Organisation der menschlichen Seele, etwas Unglaubliches. Aber ebenso sicher, wie im Akkumulator die Kräfte sich sammeln, so können sich die Seelenkräfte akkumulieren, wenn wir unsere Meinungen unterdrücken. Kraft und Stärke gibt dies. Wer überall Meinungen zu äußern hat, wird nur langsam aufsteigen können; wer viel schweigen kann, wer die Dinge zu sich reden lassen kann, der wird rasch aufsteigen. Das ist eine goldene Regel in bezug auf die direkte Erkenntnis: Wenn wir nicht den Dingen unsere Meinungen entgegenhalten, dann werden die Dinge zu uns sprechen. Ein sehr bedeutsamer Ausspruch der Geheimlehre sagt: Ich habe sehr viel gelernt von denjenigen, die über mir stehen; ich habe viel gelernt von denjenigen, die gleich mir sind; und ich habe am meisten gelernt von denjenigen, die unter mir stehen! - Es ist das Lernen von denen, die unter uns stehen, das Lernen durch Zuhören und durch Unterdrücken unserer Meinungen, was uns in die Höhe bringt. Und am meisten lernen wir, wenn wir die Natur zu uns sprechen lassen und ihr zuhören. Dann erreichen wir das, was erreicht werden muß, nämlich die Kraft, mit unseren Meinungen wirklich auszusetzen. Haben wir uns die vier bis fünf Minuten gegönnt, um den Astralleib auszubilden, dann kommt noch etwas anderes. Was machen die Menschen, wenn sie vor einer Frage stehen? Sie mag Großes oder Kleines bedeuten. Was machen da die Menschen? Sie denken darüber nach, zerbrechen sich den Kopf und glauben, daß sie es sein müssen, welche die Lösung der Frage aus den Tiefen des Denkens herausholen. Wer den Weg der Erkenntnis geht, macht es nicht so. Goethe hat es charakterisiert, wie er auch sonst vieles angedeutet hat als Eingeweihter. Er sagt einmal: Wir sind nicht berufen, die Frage zu lösen, sondern zunächst aufzustellen und zu warten, wie sich die Frage selbst löst. Unterschätzen Sie diese Art, Fragen zu lösen, nicht! Sie wirkt ganz gewaltig. Wir suchen uns ganz klar die Frage zu stellen, denken aber nicht über die Antwort nach, sondern über die Mittel, die geeignet sind, die Frage zu lösen. Sagen wir, ich stehe
Cite:
GA 266a/1904-02-21/p005 · edition original