Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1907-11-01
Berlin, 1. November 1907 Aufzeichnung A 1. Im reinen Gedanken findest du Das Selbst, das sich halten kann. 2. Wandelst zum Bilde du den Gedanken, Erlebst du die schaffende Weisheit. 3. Verdichtest du das Gefühl zum Licht, Offenbarst du die formende Kraft. 4. Verdinglichst du den Willen zum Wesen, So schaffest du im Weltensein. Esoterik ist auf der einen Seite Erkenntnis und Mission, auf der andern Leben. (Der Esoteriker hat Pflichten gegen sich selbst. In diesen vier Sprüchen ist alles enthalten, was den Esoteriker auf Jahre hinaus beschäftigen kann.) 1. Reine Gedanken sind solche, die sich nicht wie die jetzigen wissenschaftlichen nur auf sichtbare, tastbare Dinge beziehen, sondern nur auf gedachte, wie zum Beispiel die theosophischen Grundlehren über die Konstitution des Menschen, Dasein zwischen Tod und Leben, Entwicklung der Erde etc. Reine Gedanken geben dem Menschen einen sicheren inneren Halt; rein materielles Denken führt zur Haltlosigkeit und zur Nervosität. Das Meditieren führt zur Lockerung des Astralen aus dem Ätherkörper, des Ätherkörpers vom physischen. (Wird einer dieser Körper im Verhältnis zu den anderen zu schnell gelockert, so treten große Mißverhältnisse ein, auch auf der physischen Ebene; zum Beispiel bewirkt die zu schnelle Lockerung des Ich Nervosität.) Wenn das rein logische Denken nicht geübt wird, kann diese Lockerung zu Gefahren führen.* Die Anschauungs- weisen im Astralplan und Devachanplan sind grundverschieden von der auf dem physischen Plan, so daß man beim Betreten zuerst leicht verwirrt wird; nur die Logik des Denkens bleibt dieselbe. Deshalb ist dieses besonders zu pflegen. (Man soll nicht Gedanken denken, die sich an die Sinnenwelt heften, noch experimentieren, sondern abstrakte Gedanken, die rein geistig sind. Das logische und reine Denken wirkt auch auf den physischen Körper kräftigend und gesundend; macht ihn weniger empfänglich für Krankheit; daran Gewöhnte, zum Beispiel Mathematiker, haben viel weniger zu fürchten, wenn sie Cholera-Spitäler etc. besuchen. Das ist so, doch wird es weniger bemerkt, da die Zusammenhänge nicht bekannt sind.) Dadurch wird auch Sicherheit gewonnen in allen Fragen des äußeren und inneren Lebens. Starke Menschen werden nur auf ihre innere Stimme hören, schwache Menschen dagegen immer nach dem Rat und den Vorschlägen anderer lauschen. 2. Der reine Gedanke soll sich in ein Bild umwandeln, ein Bild schaffen, zum Beispiel die Vorstellung einer Pflanze, wie sie hochstrebend ihre Blüte der Sonne zukehrt. Der Mensch ist eine umgekehrte Pflanze. Den Wechsel des Menschen zu einem pflanzenartigen Wesen innerlich durchmachen; wie die feinere Substanz der Pflanzen sich allmählich in Fleisch verwandelt und dadurch Begierden, Leidenschaften und Triebe in sich aufgenommen hat. Jetzt soll der Mensch wieder geistig, das heißt bewußt pflanzlich werden, deshalb sich von allen Schlacken des Astralleibes reinigen, bis er die Stufe erreicht hat, daß er später selbst schaffend wird - durch das Wort, das er ausspricht. Ferneres Beispiel: Sich die verschiedenen Planeten substantiell vorstellen, den Mond zum Beispiel wie aus einer Art Torfsubstanz oder lebenden Spinat (also Pflanzensubstanz), darin Verholzungen (borkenartig oder rindenartig, wie jetzt bei unseren Bäumen eingegliedert), die unserem physischen Felsengerüst entsprechen; ebenso den Zustand der Sonne als voll Leben und geistiger Entwicklung. Wären wir mit der Sonne vereint geblieben, dann wären wir zu schnell vergeistigt; deshalb wurde die Sonne ausgeschieden; aber wären wir dann mit dem Mond ein Weltkörper geblieben, wären wir allmählich andererseits erstarrt und verknöchert. So hat die Erde und mit ihr die Menschheit ein Equilibrium (Gleichgewicht) erhalten. Alles, was geschaffen wurde von der Gottheit, war erst im Bilde da, wie auch der Maler ein geistiges Bild vor Augen hat, ehe er es auf die Leinwand bringt. 3. Wenn man zum Beispiel mitempfindet, wie die Sonne nur Geist und Schaffensfreude ist und der Mond das Kalte, Herbe, Zusammenziehende, Verknöcherte, so wird dies Letztere eine Lichterscheinung hervorrufen, die vom Orange durch Rot ins Braune geht, während bei der Sonne sich das Gefühl zu einer Lichterscheinung verdichtet, die von Blau durch Blauviolett in Rotviolett übergeht. Wird diese Erscheinung immer intensiver, dann treten schließlich Gestalten-Wesenheiten als Träger des Lichtes und der Farben auf; sie bekommen Form und Gestalt. 4. Ist der Wille des Menschen, der heute noch unrein, noch sehr wenig entwickelt ist, stärker geworden, dann kann er schaffen kraft seines Willens. Kann er sich in Zukünftiges, noch nicht Vorhandenes hineindenken, zum Beispiel in den Zustand des Jupiter, den zukünftigen Zustand der Erde (Jupiter, Venus, Vulkan, die unsere Erde ablösen sollen; sich ganz intensiv hineinversetzen in dieses Schaffen), und sich dem Wollen der Weltenleitung anschließen, so hilft er mit diesem Wollen den neuen Zustand schaffen, und schafft im Weltensein mit. Wenn die ganze Menschheit wollte, daß die Erde nicht Jupiter würde, dann würde sie es wirklich nicht werden. Das wäre Magie - schwarze Magie. Nachtrag von anderer Hand: 1. Alle vier Körper des Menschen müssen gleichzeitig entwikkelt werden. Wird zum Beispiel das Ich zu früh gelockert, so tritt Nervosität auf. Es lockert sich im Astralleibe; aber dieser müßte gleichzeitig im Ätherleibe gelockert werden. Die Logik hält auf allen Ebenen Stich. Abstraktes Denken wirkt Gesundheit. Mathematiker haben keine Ansteckung zu befürchten bei Epidemien. Starke Menschen hören auf die innere Stimme in ihnen, schwache auf den Rat anderer. 2. Pflanzen-Hochstreben zur Sonne in sich erleben; aber der Mensch ist die umgekehrte Pflanze. Den Wechsel innerlich durchmachen. Dadurch soll der Mensch seinen Astralleib reinigen. Auch die verschiedene Natur der Planeten vorstellen. Wie die Gottheit schafft, so bringt auch der Künstler seine inneren Bilder zum äußeren Ausdruck. 3. Die Sonne war und ist Geist und Schaffensfreude; der Mond ist kalt, starr und zusammenziehend; Verknöcherung. Sonne: vom Blau durch Violett nach Rot. Mond: von Orange durch Rot nach Braun. 4. Durch sein Wollen bestimmt der Mensch die Formen, so schafft er. In dem Maße, wie der Wille des Menschen reiner wird, entwickelt er sich zur richtigen Art des Schaffens mit seiner zunehmenden Stärke.
Cite:
GA 266a/1907-11-01/p002 · edition original