Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — München, 1908-01-16
gibt das heute bei allen Menschen einen Mißklang, beim einen mehr, beim andern weniger, aber ein Mißklang ist es. Und Eure Aufgabe ist es, im Laufe Eurer Entwicklung diesen Mißklang immer mehr in Harmonie aufzulösen. Durch die Ichheit ist dieser Mißklang entstanden, aber weise ward er eingerichtet von den geistigen Mächten, die das Weltall beherrschen und leiten. Wären die Menschen immer in der Harmonie geblieben, so wären sie nie zur Selbständigkeit gekommen. Der Mißklang ward eingesetzt, damit der Mensch frei, aus eigener Kraft sich die Harmonie wieder erringen könne. Das selbstbewußte Ich-Gefühl mußte sich also zunächst auf Kosten der inneren Harmonie entwickeln. Ist dann die Zeit gekommen, wo das Jupiterbewußtsein aufleuchtet, und der Mensch wieder in harmonischen Zusammenhang kommt mit den Kräften des Kosmos, dann wird er sein selbstbewußtes Ich-Gefühl mit hinüberretten in den neuen Bewußtseinszustand, so daß der Mensch dann ein selbständiges Ich und doch in Harmonie mit dem All sein wird. Wir haben nun gesehen, daß sich im Angstgefühl schon das neue Jupiterbewußtsein ankündigt. Aber immer, wenn ein zukünftiger Zustand vor der Zeit aufzutreten beginnt, so ist er verfrüht und nicht recht am Platze. Das wird Euch an einem Beispiel klar werden. Wenn man eine Blume, die ihrer Art nach im August blühen sollte, in einem Treibhaus schon im Mai zur Blüte bringt, so wird sie dann im August, wenn ihre eigentliche Blütezeit gekommen ist, keine Blüte mehr entfalten können; ihre Kräfte werden erschöpft sein und sie wird in die Verhältnisse, in die sie dann kommen sollte, nicht mehr hineinpassen. Und auch im Mai wird sie, sobald man sie aus dem Gewächshause nimmt, zu Grunde gehen müssen, weil sie eben in die natürlichen Verhältnisse dieser Jahreszeit nicht paßt. Geradeso ist es mit dem Angstgefühl. Es ist auch heute nicht am Platze und noch viel weniger in der Zukunft. Was geschieht beim Angstgefühl? Das Blut wird ins Zentrum des Menschen, ins Herz gepreßt, um dort einen festen Mittelpunkt zu bilden, um den Menschen stark zu machen gegen die Außenwelt. Die innerste Kraft des Ich ist es, die das bewirkt. Diese Kraft des
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GA 266a/1908-01-16/p005 · edition original