Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Stuttgart, 1908-08-05
* Aufzeichnung B Wenn man den Menschen verstehen will als geistiges Wesen in den höheren Welten, so muß man sich freimachen von den Vorstellungen der materialistischen Wissenschaft, die sich den Menschen aus Atomen aufgebaut denkt. Notwendig ist es, daß man sich neue Vorstellungen bildet. Mit jedem physischen Atemzug durchströmen auch ätherische Strömungen unsere Leiber, und geistige Wesenheiten ziehen ein und aus und verbinden uns mit der geistigen Welt. Eine Anschauung, wobei man sich die höheren menschlichen Wesensglieder nur aus verfeinertem Stoffe gebildet denkt, bleibt immer noch eine materialistische. Für eine geistige Betrachtung kann die menschliche Wesenheit erscheinen wie der Weltenbaum, der im Kosmos wurzelt und von übersinnlichen Wesen bei seinem Wachstum begleitet wird. Da gibt es vier große Gruppen von ätherischen Wesen, arbeitend und lebend in den Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer. Das Temperament des Menschen wird bestimmt von derjenigen Gruppe dieser Wesenheiten, die am stärksten in ihn hineinwirkt. In esoterisch bildhafter Sprache bedeutet das «Sitzen unter dem Feigenbaum» oder «unter dem Bodhibaum», daß man den esoterischen Aufbau des Menschen kennt. Bedeutend ist das Temperament für die Entwicklung des Menschen. Das cholerische Temperament, das für eine äußere Anschauung als ungünstig gilt, dient dazu, den Gedanken Festigkeit zu geben; das phlegmatische Temperament behütet vor zu großer Verfestigung, Kristallisation der Gedanken, wofür gerade in unserer heutigen Entwicklungsepoche viele Möglichkeiten da sind. Gedankenformen, durch Jahrhunderte hindurch überliefert, die Fortschritte der materialistischen Wissenschaft, Vererbung, führen die Gefahr der Kristallisation der menschlichen Gedanken herbei. Der Okkultist aber muß bestrebt sein, sein Denken beweglich zu erhalten, damit es neue Impulse aufnehmen kann. Der Hellseher sieht in den Vorstellungsgebilden beschränkt denkender Menschen feste, unveränderliche Einschlüsse; im Gesprach mit einem beweglich denkenden Menschen machen diese verfestigten Formen ein Verständnis unmöglich. Um so beweglicher, verwandlungsfähiger unsere Gedanken, um so mehr Erkenntnisse nehmen wir auf. Ein scharfes Kritisieren schadet, doch ist freie Urteilskraft notwendig. Zu den nachfolgenden Schemas: Die Zuordnungen zwischen den Wesensgliedern und den einzelnen Hierarchien sind in jeder Aufzeichnung etwas anders festgehalten worden. Deshalb hier die verschiedenen Versionen zur Übersicht.
Cite:
GA 266a/1908-08-05/p005 · edition original