Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — München, 1908-11-08
München, 8. November 1908 Die esoterischen Betrachtungen brauchen sich äußerlich und inhaltlich gar nicht sehr zu unterscheiden von den exoterischen Vorträgen. Es kommt bei ihnen darauf an, daß man sich im Gedächtnis behält, daß in einer esoterischen Stunde die Meister der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen zu uns sprechen. Auf das «Wie» kommt es an und daß wir die Wirkungen der esoterischen Stunde in unserer Seele leben lassen. Sie sind uns gegeben, damit wir im Leben gern an sie zurückdenken und sie in unserer Seele einen Zentralkern sich bilden lassen. Sie sind die Ergänzungen zu den Übungen, die der Esoteriker machen muß. Wir wissen, daß unser Astralleib durch diese Übungen kolossale Umänderungen erfährt, daß wir den Astralleib, der bis dahin ungegliedert und ungeordnet, aber doch ein in sich harmonisches Ganzes war, nun selber umbilden, gleichsam Inseln, Abschnürungen in ihm schaffen, wodurch wir anfangen, Organe zu bilden. Diese astralen Organe sind die Kanäle, durch welche die Meister Mitteilungen aus den höheren Welten in die Evolution einfließen lassen und diese fördern können. Durch dieses selbständige Bilden astraler Organe greifen wir ein in die göttliche Weltordnung, fordern sie sozusagen heraus, indem wir Kräfte benutzen, welche diese bis jetzt zu anderen Zwecken verwendete, und zwar zum Schutze gegen Wirkungen negativer Eigenschaften auf den Astralleib. Der Esoteriker muß sich vor allem bemühen, den Eigenschaften seiner Mitmenschen gegenüber objektiv zu sein, ihre negativen Eigenschaften bemerken und ertragen zu können, ohne sie zu verurteilen. Er soll zum Beispiel sagen: ich sehe, daß dieser Mensch eitel, ehrgeizig ist, aber auf der jetzigen Stufe der Entwicklung sind diese Eigenschaften geradeso nötig wie andere, positive. - Wir können da den Vergleich mit einem Baume heranziehen. Bei einem Baum ist die äußere Rinde, trotzdem sie das Absterbende in diesem Organismus ist, notwendig zum Schutze des Innern, in dem die Lebenssäfte und Lebenskräfte kreisen. Ein Teil der Kräfte muß auf die Rindenbildung verwendet werden. Würden alle Kräfte darauf verwendet, so würde der Baum ganz verholzen, verdorren, absterben. Aber es ist von der Natur so eingerichtet, daß die inneren Lebenskräfte des Baumes dem entgegenarbeiten, den Prozeß regeln. So ist es beim gewöhnlichen Menschen betreffs seiner negativen Eigenschaften, sagen wir Ehrgeiz und Eitelkeit, und ihrer Wirkung auf den Astralleib. Der Astralleib hat durch die göttliche Weltordnung Kräfte in sich, die den Wirkungen von Ehrgeiz und Eitelkeit immer wieder entgegenarbeiten. Er hat unter dem Einfluß dieser Eigenschaften ungefähr das Aussehen, als ob er mit Lichtstrahlen in Form von Nadeln gespickt wäre, deren Helligkeit nach außen zu an Stärke verliert. Daß diese Nadeln nicht tiefer in den Astralleib eindringen beim gewöhnlichen Menschen und ihn ganz durchsetzen und zerfetzen, dafür sorgt die göttliche Weltordnung, indem sie aus dem Innern des Astralleibes Kräfte an den Rand hinaus sendet, wie der Baum nach seiner Rinde, und so diese Nadeln zu einem Schutzwall nach außen umschafft. So objektiv und nachsichtig nun der Esoteriker diesen Eigenschaften bei andern gegenüberstehen muß, so streng muß er bei sich selbst wachen, ihnen keinen Einlaß zu gewähren. Denn er verwendet ja die Schutzkräfte zu andern Zwecken. Sein Astralleib ist also schutzlos gegenüber dem Eindringen der Nadeln, und durch die Durchsetzung des Astralleibes mit denselben kann der physische Körper einem Siechtum verfallen.
Cite:
GA 266a/1908-11-08/p002 · edition original