{"corpus":"steiner","locus":"GA 266a/1908-11-08/p004","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Um gegen die schädlichen Wirkungen von Ehrgeiz und Eitelkeit zu arbeiten, darf der Esoteriker diese zum Beispiel durchaus \nnicht in sich bekämpfen; denn dabei würde er sich zu sehr mit \nsich selbst beschäftigen, und das ist gerade dasjenige, was diese \nFehler fördert. Das Heilmittel ist nun, sich zur Beseitigung dieser Fehler nicht mit sich selbst, sondern mit dem Menschen im \nallgemeinen zu beschäftigen, das heißt, über den Menschen und \nseine siebenteilige Natur, seine verschiedenen Körper, intensiv \nnachzudenken. Tut man dies bei jedem Anlaß, bei dem man diese Eigenschaften besonders empfindet, so wird man mit der Zeit \nmerken, daß sie mehr und mehr schwinden. \nDas Heilmittel für den Neid ist das Meditieren über die Schönheit, entweder im allgemeinen in der Natur, oder wie sie sich im \neinzelnen in Kunstwerken oder in besonders vollkommenen Menschen ausdrückt. Mit der Begeisterung für die Schönheit in irgendeiner Form sollen wir uns ganz durchtränken. Ganz falsch \nwäre es, an den Menschen, den wir beneiden, in dieser Form zu \ndenken, oder zu versuchen, den Neid ihm gegenüber direkt zu \nbekämpfen. Beschäftigen wir unsere Gedanken bei jedem gegebenen Anlaß so mit etwas Schönem, so werden wir spüren, wie \nder Neid nach und nach schwindet. \nZorn und Ärger, den man über die verschiedensten Anlässe \nempfindet, sagen wir zum Beispiel über den immer zunehmenden Lärm in der Stadt, muß der Esoteriker auch auf andere Weise \nbekämpfen, als heutzutage dies versucht wird. Es werden ja jetzt \nBücher über die mögliche Beseitigung des Lärms in den Städten \ngeschrieben und Vereine dafür gegründet. Es kommt aber nicht \ndarauf an, den Stadtlärm abzudämpfen, sondern in sich die Kraft \nzu entwickeln, sich von innen heraus von ihm abzuschließen \ndurch Meditation, durch Seelenruhe. Nicht der Lärm, sondern \ndie Dämonen, die unsere Städte durchziehen, sind das Schädliche; und diese werden gerade gewissermaßen durch den Lärm \nin Schach gehalten. Man muß inmitten des Lärms leben können, \nohne sich von ihm zum Zorn reizen zu lassen. Dies erreicht der \nEsoteriker dadurch, daß er über große uns gegebene Worte meditiert, sich intensiv in sie versenkt, zum Beispiel in die vier ersten Sätze von «Licht auf den Weg». Dann wird man spüren, \nwie nach und nach der Lärm leiser und ferner wird und schließlich ganz entschwindet, und mit ihm der Zorn. Der Zorn hat \nauch auf den physischen Körper einen höchst nachteiligen Einfluß beim Esoteriker. \nDie beschriebenen Hilfsmittel gewöhnlichen Menschen anzuraten, wäre ganz zwecklos. Sie haben keine Bedeutung für sie.* \nWenn wir auf diese meditative Weise unsere Fehler umwandeln, so bauen wir in uns einen Tempel, in den wir uns stets im \nLebenslärm zurückziehen können, in dem wir Kraft ansammeln, \naus dem wir Stärke, Ruhe und Begeisterung schöpfen können. \nWir werden dadurch immer intensiver empfinden, daß wir eine \ngroße Familie sind, die sich um ihren leuchtenden Zentralpunkt, \ndie Meister der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen, schart, von denen herab uns Leben und Licht zufließt. \nUnser Ziel wird uns dann immer als leuchtender Stern vorschweben, den nichts mehr verdunkeln kann. \n* In einer anderen, sonst identischen Vorlage heißt es hier: «Gewöhnlichen Menschen diese Hilfsmittel anzuraten, hätte gar keinen Zweck, da sie ihnen nichts \nnutzen.»","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — München, 1908-11-08","site_heading":null,"date":"1908-11-08","location":null,"word_count":513,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266a/1908-11-08/p004","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266a/1908-11-08/p004"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/266a/1908-11-08/p004"}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern sowie Notizen von Vorträgen","evidence_translation":"Participants' records written from memory, and notes of lectures","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."}}