Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — München, 1909-12-05
München, 5. Dezember 1909 Wir haben oft hier besprochen, daß es sehr darauf ankommt, in welcher Gesinnung wir unsere Meditation ausführen, daß die Hauptsache ist, wie wir fühlen, wie wir denken, wie wir empfinden. Das richtige Fühlen und Denken gibt uns die Kraft, die uns einführt in die Geisteswelt, in die wir hineinstreben. Nur durch den unerschütterlichen Glauben an diese Kraft erheben wir uns zur Pforte der Geisteswelt. Um diese Kraft zu begreifen, müssen wir uns einmal ansehen, wie die esoterischen Schulen in der vorchristlichen Zeit waren im Vergleich zu denjenigen, die nach dem Ereignisse der Einführung des Christentums entstanden sind und die die Christus-Kraft in sich aufnehmen mußten, von ihr durchströmt wurden. Welcher Unterschied besteht da? Wir müssen da den Anfang des Johannes-Evangeliums zur Antwort heranziehen: «Im Anfang war der Logos, und der Logos war bei Gott ... und der Logos ward Fleisch.» Dadurch, daß das Wort Fleisch geworden war, änderte sich auch die Lehrweise in den esoterischen Schulen. In der vorchristlichen Zeit war das Wort noch nicht wirksam. Es wurde schweigend gelehrt, und schweigend, in Bildern, erhielt der Schüler durch die Anschauung die Mitteilungen aus den geistigen Welten. Er wurde schweigend in einen dunklen Raum geführt, und an diesem Orte des Schweigens tauchte das Bild eines geflügelten alten Mannes vor ihm auf, der eine in blaue Wolkenschleier gehüllte weibliche Gestalt verfolgte, sich mit ihr zu vereinigen strebte. Dieses Bild taucht vor dem Seher in den geistigen Welten auf, wenn er einen durch die Todespforte gegangenen Greis beobachtet, der sein Leben rückwärts lebt in Kamaloka und seinem höheren Ich nachstrebt - der Frauengestalt, die in blaue Wolkenschleier gehüllt ist -, um sich mit ihm zu vereinigen und sich in die höheren Welten, nach Devachan, zu erheben. Die blaue Farbe ist immer die des Strebens nach Höherem. Wenn der Schüler über dieses
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GA 266a/1909-12-05/p002 · edition original